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Gedanken zu den jüdischen Siedlungen PDF Drucken E-Mail
Blog - Sonstiges
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Mittwoch, den 08. Dezember 2010 um 13:26 Uhr

Ich bin kein Experte für den Nahen Osten im Allgemeinen und schon gar nicht für den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern im Besonderen. Ich maße mir nicht die Fähigkeit oder gar das Recht an, den Menschen dort Vorschläge unterbreiten zu können.

Nur ein paar Gedanken zur aktuellen Debatte:

  1. Auch wenn wir es gerne ignorieren - natürlich haben auch vor der Staatsgründung Israels Juden im "Heiligen Land" gelebt, nicht nur auf dem Gebiet des heutigen Israel, sondern auch in den Gebieten, die wir heute Ostjerusalem, Gazastreifen und Westjordanland nennen (und auch in allen Ländern der Region, sprich islamischen Ländern) - es gab weit über die heutigen Grenzen Israels hinaus und seit vorislamischer Zeit ein fest in der Region verwurzeltes jüdisches Leben
  2. Schon 1848 - zur Zeit der ersten neuzeitlichen Volkszählung in der Region - gab es in Jerusalem eine jüdische Bevölkerungsmehrheit
  3. Man spricht heute viel von den palästinensischen Flüchtlingen, ignoriert aber gerne, daß in etwa ebenso viele Juden aus islamischen Ländern, aber eben auch aus dem heutigen Gazstreifen, dem heutigen Westjordanland und Ostjerusalem haben fliehen müssen bzw. brutal vertrieben worden sind
  4. Die Grenzen von 1967 waren keine Grenzen im eigentlichen Sinn, sondern de facto Waffenstillstandslinien zwischen Israel auf der einen Seite und auf der anderen Seite nicht etwa den Palästinensern, sondern Jordanien und Ägypten, die den heutigen Gazastreifen, das heutige Westjordanland und das heutige Ostjerusalem besetzt hatten (ohne freilich die Absicht zu haben, einen palästinensischen Staat zu gründen oder den Opfern der Vertreibungen und den Flüchtlingen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen)
  5. Das Problem der jüdischen Flüchtlinge muß berücksichtigt werden, wenn es um die Frage jüdischer Siedlungen geht, wie man ja auch palästinensische Flüchtlinge und die damit verbundene Problematik berücksichtigen muß; Einseitigkeit zuungunsten der Juden verbietet sich hier
  6. Und nein, die heute in Israel lebenden Juden stammen nicht alle aus dem Okzident, sondern viele haben ihre Wurzeln im Orient - nicht allein die okzidentale Judenverfolgung und insbesondere die der Nazis hat Juden nach Israel geführt und ihren Wunsch nach einem eigenen Land genährt; und damit ist das "Judenproblem" im nahen Osten auch kein okzidentales Problem, das etwa durch eine "Rückführung" der Juden nach Europa gelöst werden könnte

So wie ich das als Laie sehe, bilden die jüdischen Siedlungen ohnehin kein ernstzunehmendes Hindernis für einen Frieden in der Region (zumal in diesen Siedlungen ja nicht nur Juden leben, sondern ebenso auch Araber, was freilich gerne unter den Teppich gekehrt wird).

Und natürlich wird sich auch ein zukünftiger Staat Palästina mit "Migranten" arrangieren müssen, so wie jedes andere Land auch. Und das schließt natürlich auch Migranten mit jüdischem Hintergrund ein, denen es nicht verwehrt werden kann, dort zu leben. Meiner Meinung nach werden die dann natürlich keinen anderen Status haben können als etwa Türken in Deutschland - mitsamt der Chance, die israelische Staatsbürgerschaft gegen die palästinensische zu tauschen (falls das zukünftige Palästina Migranten nicht eine doppelte Staatsbürgerschaft ermöglicht).

Wie dem auch sei - persönlich würde ich einen gemeinsamen Staat für alle Menschen der Region bevorzugen, eine Art "Bundesrepublik Westjordanien" etwa, zu der die heutigen Israelis ebenso gehören wie die heutigen Westjordanländer und Gazäer, mit einer gemeinsamen Regierung. Das ist meiner Meinung nach einer Zweistaatenlösung entschieden vorzuziehen.

Aber wie gesagt: Ich bin kein Experte. Und ich bin mir sicher, daß die Israelis für einen echten Frieden gerne auf ihre Siedlungen verzichten würden - aber bisher hat die Gleichung "Land für Frieden" noch nie funktioniert, bisher brachte jeder israelische Rückzug nur neue Gewalt, kein noch so großes israelisches Entgegenkommen auch nur den kleinsten Fortschritt für den Frieden.

Und nein, die Israelis sind nicht perfekt. Sie machen viele Fehler. Vieles von ihrem Vorgehen ist zu verurteilen. Aber daß es zu keinem Frieden kommt, liegt nicht allein und nicht einmal in erster Linie an ihnen.

Dennoch - das Vorgehen der Israelis gegen die Araber sowohl im eigenen Land als auch im Gazastreifen, im Westjordanland und in (Ost-) Jerusalem gibt viel Anlaß für Kritik, wenn sie denn sachlich und konstruktiv ist.

Aber dennoch ist etwa der Gazastreifen kein "Freiluftgefängnis" oder gar "KZ", und es findet weder dort noch sonst wo ein "Holocaust" an den Arabern statt. Wer so etwas behauptet, ist meiner bescheidenen Meinung nach entweder völlig bekloppt oder ein gefährlicher Antisemit (und von denen gibt es eine ganze Menge, viel zu viele auch in Europa und in Deutschland, und die sind nicht alle "rechts").

Was auch immer gerne vergessen wird: Bei allen Fehlern ist Israel doch die einzige funktionierende Demokratie in der Region. Dort werden die Menschenrechte immer noch am ehesten geschützt, trotz aller Versäumnisse in diesem Bereich.

 

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