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Wenn es als Fortschritt gewertet wird, daß Muslime ihre Kinder zur Schule gehen lassen, wenn das Vorkommen von Selbstverständlichkeiten bei muslimischen Migranten lobend hervorgehoben wird, dann muß man sich schon fragen, was die Sprecher der Integrationsindustrie reitet, die Migranten muslimischen Hintergrundes letzten Endes als "edle Wilde" darzustellen.
Denn genau das ist es: Migranten mit muslimischem Hintergrund werden, wie man gerade jetzt im Verlauf der Sarrazin-Debatte sehr schön sehen kann, nicht als "zivilisierte Menschen" wahrgenommen, sondern eher als zwar irgendwie edle, aber doch eindeutig wilde Personen, von denen man nicht sol viel erwarten kann wie von anderen Migranten oder gar von Deutschen.
Die Behandlung der Migranten mit muslimischem Hintergrund als "edle Wilde" ist in meinen Augen nichts anderes als Rassismus. Man erwartet von ihnen nicht das, was man von allen anderen erwartet, man traut ihnen weniger zu und gibt sich mit kleinsten Fortschritten zufrieden. Man kommt ihnen weiter entgegen, sieht ihnen mehr nach, ist ihnen gegenüber duldsamer, übt ihnen gegenüber mehr Toleranz - was nur den Schluß zuläßt, daß man bei ihnen einen Mangel feststellt, einen Nachholbedarf diagnostiziert. Natürlich sind wir diejenigen, die diesen Mangel nicht nur erkennen können, sondern auch das probate Gegenmittel kennen, einen "Euro-Islam" etwa. So viel Euro wie möglich, so viel Islam wie nötig. Wir Deutschen kriegen den Islam schon reformiert, wir, das Volk der Dichter und Denker!
Wäre ich ein Migrant mit muslimischem Hintergrund, so wäre ich wohl ernsthaft beleidigt, wie wenig Integrationsfähigkeit, wie wenig Leistungswillen man mir in dieser Gesellschaft zutraut, wie sehr man mich vor Forderungen und Kritik schützen will. Ich würde mich wirklich beleidigt fühlen, daß man mich wie ein Kind behandelt, wie jemanden, der irgendwie behindert ist, der nichts selbst auf die Reihe bekommt, dem man überall und jederzeit helfen muß, als sei man pflegebedürftig.
Die Fürsorge der Integrationsindustrie um die Migranten mit muslimischem Hintergrund hat vielleicht am ehesten etwas von einem Helfersyndrom, sie entmündigt hre Schützlinge und stellt sie als bedauernswerte Wesen dar, die zu nichts in der Lage sind - außer sich beleidigt zu zeigen, so daß man sie fortwährend besänftigen muß, wie ein zu Wutausbrüchen neigenden Kind, das man mit Süßigkeiten beruhigen will.
Migranten zu helfen, ist eine gute Sache. Aber wenn die Hilfe die Migranten entmündigt und wie kleine jähzornige KInder behandelt, dann ist das keine Hilfe mehr, sondern Mißbrauch. Wenn sich dann noch eine Integrationsindustrie bildet, die letztlich nur noch sich selbst verwaltet und einen Integrationsnotstand definiert, den nur sie selbst abbauen kann, um damit letztlich ihren eigenen Fortbestand zu sichern - und dazu muß anscheinend immer ein "Kampf gegen Rechts" die Flanken sichern -, muß die Integration scheitern, scheitern letzten Endes die Migranten.
Migranten ohne muslimischen Hintergrund haben hierzulande das Glück, das sich keine Integrationsindustrie, die nebenbei auch noch den Kampf gegen Rechts führen will, um sie kümmert. Man muß sich fragen, ob das der eigentliche Grund ist, warum deren Integration so viel besser gelingt als bei den Klienten der ganz auf fromme Muslime konzentrierten Integrationsindustrie mit ihrem viel zu oft rassistischen Bild vom "edlen Wilden".
Es ist ja auch auffällig, daß dort, wo die Integration der Migranten mit muslimischem Hintergrund gelingt, diese meist eher weniger religiös sind. Die Integrationsindustrie hat vor allem die religiösen und sehr religiösen Muslime im Blick, kennt die Vorschriften des Islam besser als selbst die Imame in Istanbul oder Ankara.
In dem Maße, wie die Integrationsindustrie die muslimischen Migranten als "edle Wilde" unter ihre Fittiche nimmt, zeigen sich Probleme bei der Integration. Je mehr die Migranten sich der liebenden Fürsorge der Integrationsindustrie entziehen, um so eher gelingt ihre Integration. Hierher einwandernde Christen aus islamischen Ländern haben das Glück, von der Integrationsindustrie weithin ignoriert zu werden - und offenbar kommt das ihrer Integration zugute.
Es sei hier noch einmal daran erinnert, welche Erfolge die Deutschen bei der Integration seit 1945 erzielt haben. Wir haben Millionen von Menschen, die zu uns kamen, erfolgreich integriert, spätestens die zweite Generation konnte als voll integriert gelten - hier sind es Ausnahmen, die die Regel bestätigen.
Doch spätestens, als der "Kampf gegen Rechts" die Muslime zu den neuen Juden und damit zu den am ehesten von Rechts bedrohten Opfern erklärte, etablierte sich eine Integrationsindustrie, die in Rekordzeit die Integration der muslimischen Migranten zum Stolpern brachte. Was an Integration schon gelungen war, zerfiel zu Asche, neue Integration kam nur dort ingange, wo muslimische Migranten das Glück hatten, nicht ins tatsächliche oder vermeintliche Opferschema der Rechten und damit dann auch der Integrationsindustrie zu passen.
Viele Köche verderben den Brei - die Integration der Muslime sollte zugleich dem Kampf gegen Rechts dienen, und beides war und ist zu viel. Muslime waren und sind nicht nur die, die zu integrieren sind, sondern dienen auch dem Kampf gegen Rechts. Man könnte sogar fragen, ob sich das nicht gegenseitig ausschließt. Sind die Muslime erst integriert ("assimiliert"), taugen sie nicht mehr als Hilfskräfte für den Kampf gegen Rechts.
Ich fürchte, man verlangt zu viel von den Muslimen, die zu uns kommen, wenn sie auch noch auf der Bühne unseres Kampfes gegen Rechts gebraucht werden. Man setzt ihre Integration aufs Spiel.
Ohne Frage ist der Kampf gegen Rechts wichtig, ohne Frage ist die Integration wichtig. Wer aber beides vermischt, droht zu scheitern - in beiden Bereichen. Die Integrationsindustrie geht auf eine Weise mit den Muslimen um, daß bei den Bürgern der Eindruck entsteht, sie werden bevorzugt behandelt, ihnen gilt zu viel Entgegenkommen - und das stärkt rechtspopulistische und rechtsextremistische Kräfte, führt zu mehr Rassismus.
Es ist wichtig, daß wir Migranten mit muslimischem Hintergrund nicht als "edle Wilde" behandeln, die nicht so "zivilisiert" sind wie alle anderen, denen man mehr entgegenkommen muß, die man mehr besänftigen muß, die man nicht für voll nehmen kann. Wir müssen sie "normal" behandeln, als Menschen, die uns ebenbürtig sind, die nicht aufgrund vermeintlich behindernder Umstände eine besondere Vorzugsbehandlung benötigen, besonderes Entgegenkommen, die selbst nur eingeschränkt leistungsfähig sind und darum besonderer Unterstützung bedürfen. Behandeln wir sie weiterhin als "edle Wilde", ist das für sie nicht nur beleidigend, sondern erschwert auch ihre Integration.
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