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Je länger ich mir sowohl Deutschland als auch Europa anschaue, um so glaube ich zu erkennen, wie sich unsere Gesellschaft von einer schuldorientierten in eine schamorientierte Kultur umwandelt.
Man merkt das vielleicht am ehesten daran, daß immer weniger derjenige, der Übles produziert, zum Ziel von Angriffen wird, sondern immer mehr derjenige, der auf das Übel hinweist. Nicht ein Übel an und für sich gilt als das eigentliche Problem, sondern der, der es publik macht.
Das ist exakt das Verhalten einer schamorientierten Kultur, und das ist exakt das Verhalten, das hierzulande immer mehr wahrzunehmen ist.
Der Amoklauf gegen Sarrazin hat nicht nur, aber auch mit dieser erschreckenden Entwicklung zu tun.
Zuletzt hat hierzulande das Nazi-Regime eine schamorientierte Kultur hervorgebracht, und die DDR hat manches davon konserviert, wenn auch rot übertüncht.
Ich denke nicht, daß eine schamorientierte Kultur per se schlecht ist. Aber was sich da in unserer Mitte ausbreitet, gehört zu den denkbar schlechtesten Varianten einer Schamkultur, und es erinnert in fataler Weise an Entwicklungen unter den Nazis und der SED.
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Kommentare
meiner Meinung nach ist Deutschland weit entfernt davon, eine Schamkultur zur werden. Das beziehe ich auf die Mentalität der einzelnen Staatsbürger. Ich habe bis jetzt keinen Deutschen kennengelernt, der auch nur annähernd der Schamkultur angehören könnte. Das Lied vom eigenen Willen und das stärker Werden des Individualimus als hohes Gut ist genau das gegenteilige Anzeichen für eine Transformation der Schuld- in die Schamkultur in D. Schöne Grüße, Vera
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