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Kirchentag für Christen und Muslime? PDF Drucken E-Mail
Blog - Sonstiges
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Freitag, den 21. Mai 2010 um 08:19 Uhr

Wie ich heute las, soll Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gefordert haben, in Zukunft "Interreligiöse Kirchentage" für Christen und Muslime abzuhalten statt nur für Christen aus dem Bereich der ACK.

Da stellt sich erstens die Frage, an welche Muslime der Innenminister denn denkt? Es ist ja schließlich nicht so, daß die Muslime einen monolithischen Block bilden - gerade de Maizière sollte das nach dem Debakel um die DIK II wissen. Also, welche Muslime wären willkommen, welche nicht? Was ist mit denjenigen Muslimen, die beispielsweise die Komplettverschleierung der Frauen befürworten? Was ist mit den Ahmadiyya, den Aleviten, den Alawiten? Dürfen auch die Moscheen, die zum Islamrat oder zu Milli Görüs gehören, mitmachen? Was ist mit den Ex-Muslimen?

Zweitens aber stellt sich die Frage: Warum eigentlich nur die Muslime mit ins Boot holen? Was ist mit den verschiedenen christlichen Sondergemeinschaften außerhalb der ACK, der Neuapostolischen Kirche, den Zeugen Jehovas, den Mormonen usw.? Was ist mit den Juden, den Hinduisten, den Buddhisten usw.? Was, wenn wir schon dabei sind, mit den Neuheiden, Wicca und auch "moderate" Satanisten? Und auch über eine Beteiligung der Agnostiker und Atheisten sollte man nachdenken.

Es spricht sicherlich nichts dagegen, wenn Menschen zum Feiern zusammenkommen. Wenn sie dabei auch ihre Religion bzw. ihre Weltanschauung mit einbringen - einander helfen, voneinander lernen, miteinander feiern. Aber der Kirchentag sollte doch bitte schön auf die Kirchen beschränkt bleiben, die zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen gehören.

Übrigens hat der Ökumenische Kirchentag entschieden, die Gruppe "SM und Christentum" (SMuC) nicht teilnehmen zu lassen. Über die SMuC mag man denken, wie man will - aber diese Leute sind immerhin gläubige Christen und stehen fest zu ihren Kirchen. Und gerade dort geht es auch sehr ökumenisch zu.

Wenn de Maizière einen "Tag der Religionen" wünscht, bitte schön. Das halte ich für eine gute Idee - vorausgesetzt freilich, es bleibt nicht allein bei Christen und Muslimen. Denn die Beschränkung allein auf Christen und Muslime ist problematisch - gerade wenn es der Bundesinnenminister eines weltanschaulich neutralen Staates ist, der einen solchen Vorschlag macht.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 21. Mai 2010 um 08:36 Uhr
 

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