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Gewalt gegen Kinder - ein Relikt aus der Vergangenheit? PDF Drucken E-Mail
Blog - Sonstiges
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Freitag, den 12. März 2010 um 09:33 Uhr

Wenn man die aktuellen Berichte und vor allem Kommentare zur Gewalt gegen Kinder vor allem im katholischen bzw. kirchlichen Bereich liest, könnte man glauben, das alles sei größtenteils ein Relikt aus der Vergangenheit, aus den 50er, 60er oder 70er Jahren, vereinzelt vielleicht noch aus den 80er und 90er Jahren.

Aber ist dem wirklich so?

Soweit es den Kindesmißbrauch betrifft, wird wohl niemand annehmen, daß es sich dabei wirklich um ein Relikt aus der Vergangenheit handelt. Aber wenigstens werden Vorfälle aus heutiger Zeit nicht mehr so oft vertuscht wie einst.

Soweit es aber die Kindesmißhandlungen betrifft, scheint man sich weithin einig zu sein, daß es heute nicht mehr so ist wie früher. Das Schlagen von Kindern ist heute verpönt.

Und das ist auch gut so.

Ich denke aber nicht, daß alleine das Schlagen von Kindern als Kindesmißhandlung bezeichnet werden kann. Zu diesem Komplex gehören auch das Anschreien und das Anschweigen und das Ignorieren. Das sind Schläge, die zwar nicht den Körper, aber sehr wohl die Seele treffen und hier schwere Verletzungen verursachen.

Ich denke aber auch, daß es ein noch Schlimmeres Verbrechen gegen Kinder gibt. Ich bin überzeugt, daß das Grundübel aller menschlichen Kulturen nicht ein Zuviel an Bösem, sondern ein Zuwenig an Gutem ist.

Was Kinder brauchen, ist bedingungslose, hingebungsvolle, opferbereite Liebe. Und nicht etwa dieses billige Imitat, das heute so oft als "Liebe" verkauft wird. Es ist schlimm, Kinder zu schlagen. Es ist schlimm, sie anzuschreien, anzuschweigen, zu ignorieren. Es ist schlimm, Kinder nicht mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben. Das ist die Drefaltigkeit der Gewalt gegen Kinder: Körperliche Gewalt, seelische Gewalt, geistige Gewalt.

Der Mangel an Liebe aber ist das Schlimmste; denn Kinder, die nicht geliebt werden, können niemals lernen, selbst zu lieben. Sie geben ihren Mangel weiter, an Mitmenschen, an Ehepartner, an Kinder.

Wir sollten nicht überheblich auf schlagende Erwachsene von früher schauen; denn wir machen es zwar anders, aber keinesfalls besser. Wir sehen den Splitter im Auge unserer Altvorderen, derer, die wir heute anklagen, weil sie aufgrund ihres Alters und ihres Machtverlustes keine Bedrohung mehr sind für uns, aber wir sehen nicht den Balken in unserem Auge.

Wir lesen heute überall: Du sollst dein Kind nicht schlagen. Ist es aber nicht so, daß derjenige, der sein Kind nicht bedingungslos und hingebungsvoll liebt, mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft, daß der sein Kind an Seele und Geist ermordet?

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 12. März 2010 um 09:48 Uhr
 

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