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Die katholische Kirche und der Kindesmißbrauch PDF Drucken E-Mail
Blog - Sonstiges
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Samstag, den 06. März 2010 um 16:02 Uhr

In letzter Zeit brechen die Wellen um Kindesmißbrauch und Kindesmißhandlungen in der katholischen Kirche fast im Stundentakt über diese Kirche zusammen, es ist ein regelrechter Tsunami.

Ich bin kein Katholik, aber ich denke, die katholische Kirche muß sich nicht vorwerfen lassen, sie sei eine Schlangegrube des Mißbrauchs und der Mißhandlungen von Kindern.

Nach allem, was ich zum Thema Kindesmißbrauch und Kindesmißhandlungen weiß, ist die Chance für ein Kind in einem katholischen Umfeld, mißbraucht oder mißhandelt zu werden, keinesfalls größer als in irgend einem anderen Umfeld. Es gibt genügend Hinweise, daß die Gefahr von Mißbrauch und Mißhandlungen für ein Kind in einem protestantischen (auch freikirchlichen und/oder evangelikalen) Umfeld sogar größer ist als in einem katholischen. Auch das Zölibat bringt nicht mehr solche Fälle hervor, auch die katholische Sexualmoral bringt nicht mehr solche Fälle hervor, als es jeweils anderswo der Fall ist.

Es ist nun einmal so, daß Mißbrauch und Mißhandlungen von Kindern weit über die katholische Kirche, weit über das Christentum, weit über die Religion hinausgehen. Es ist ein Problem der ganzen Menschheit. Allein in Deutschland wurden nicht nur in der Vergangenheit, sondern werden auch heute unzähliche Kinder mißhandelt und mißbraucht. Die bisher bekannt gewordenen Zahlen aus dem Bereich der katholischen Kirche stellen gerade auch in Relation zu dem langen Zeitraum nur einen sehr, sehr kleinen Anteil an allen Fällen von Mißbrauch und Mißhandlungen dar.

Nicht immer, aber immer wieder werden die Skandale um Kindesmißbrauch und -mißhandlungen herangezogen, um gegen die katholische Kirche vom Leder zu ziehen. Dabei wird, so meine ich, das instrumentalisiert, was diesen Kindern angetan wurde, sie werden somit ein zweites Mal mißbraucht.

Natürlich muß die katholische Kirche sich fragen lassen, warum eine Kultur des Schweigens und Wegsehens so lange erfolgreich sein konnte. Aber wer ehrlich ist, weiß, daß nur die wenigsten von uns hier den ersten Stein werfen können. Nichts sehen, nichts hören, nicht sagen - das ist nicht typisch katholisch, das ist typisch menschlich. Wer hier mit dem Finger auf die katholische Kirche zeigt, wird zugleich mit drei Fingern auf sich selbst zeigen.

Gerade wenn es um Kinder geht, gibt es eine weit über die katholische Kirche hinausreichende Kultur des Wegsehens, des Schweigens. Das Problem, wo Kinder mißhandelt und mißbraucht werden, ist oft weniger die Fülle an bösen Taten, sondern der Mangel an guten Taten.

Die katholische Kirche wird sich von diesem Skandal nur schwer erholen können. Es kostet sie massiv an Vertrauen, an Glaubwürdigkeit.

Aber wer sind wir, daß wir über die katholische Kirche urteilen, wenn so viele von uns Kinder mißhandeln, Kinder mißbrauchen, wenn noch so viele mehr von uns wegschauen, schweigen? Wir sehen den Splitter im Auge der katholischen Kirche, aber was ist mit dem Balken im Auge von uns Protestanten, von uns Nichtreligiösen, von uns Atheisten?

Kindesmißbrauch und Kindesmißhandlungen sind ernste Themen. Wenn wir jetzt die katholische Kirche zum Sündenbock machen, dann ist das zu billig. Dann machen wir uns das zu einfach.

Bleibt noch die Frage, ob es die katholische Kirche mit ihrem Zölibat, mit ihrer Sexualmoral Menschen zu leicht macht, Kinder zu mißbrauchen, Kinder zu mißhandeln. Ich bin kein Fachmann, aber ich denke nicht, daß dem so ist. Ich denke, ein solcher Mensch, der Kinder mißbraucht oder mißhandelt, hat es in der katholischen Kirche nicht leichter als anderswo.

Wie dem auch sei - es gibt meines Wissens keine wissenschaftlich fundierte Untersuchungen, die es erlauben, in der katholischen Kirche eine Schlangengrube des Mißbrauchs und der Mißhandlungen von Kindern zu sehen, die es erlauben, dem Zölibat oder der katholischen Sexuallehre eine besondere Schuld zuzuweisen. Von daher sollte man mit Schuldzuweisungen und Verdammungsurteilen sehr zurückhaltend sein.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 06. März 2010 um 16:21 Uhr
 

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