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Nazis und Rechtspopulisten PDF Drucken E-Mail
Blog - Sonstiges
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Mittwoch, den 16. November 2011 um 18:32 Uhr

Gibt es ihn, den Unterschied zwischen Nazis und Rechtspopulisten? Oder ist der Unterschied so gering wie bei, sagen wir 'mal: Anhängern des Kreationismus und der Intelligent-Design-Bewegung? Letztere stellen eine Spielart des Kreationismus dar, die sich einen wissenschaftlichen, areligiösen Anstrich geben.

Ich neige dazu, keinen allzu großen Unterschied zwischen den Rechtsextremen bzw. den Nazis auf der einen und den Rechtspopulisten auf der anderen Seite zu machen.

Rassisten sind allzumal beide Gruppen - sie sehen sich selbst als eine "besondere Rasse", die von externen wie internen Feinden, letzte also Verräter in den eigenen Reihen, bedroht werden. Sie sehen ihre Rasse, die der Welt doch so viel Gutes zu geben hat (Aufklärung, Humanismus, Kultur...), vom Untergang bedroht, fürchten eine Apokalypse. Der Kampf richtet sich hier wie da vor allem gegen jene Verräter (Linke, "Gutmenschen", Grüne...). 

Rechtspopulisten geben sich gerne einen pro-israelischen und pro-amerikanischen Anstrich, aber es ist eben nur ein Anstrich (immerhin ist es zugleich ein wichtiges Hindernis, daß Rechtspopulisten hierzulande, wo Antisemitismus und Antiamerikanismus zumindest latent eine äußerst wichtige Rolle spielen, bei Wahlen wirklich punkten können). Israel und die USA sind eben nur der Feind des Feindes, doch nicht wirklich der Freund.

Rechtspopulisten sind Nazis, die sich Mühe geben, nicht als solche zu erscheinen. Und ja, ich weiß, daß ich jetzt verallgemeinere. Es gibt sehr wohl Rechtspopulisten, die keine Nazis sein wollen. Aber je länger sie vom Brunnen des Rechtspopulismus trinken, um so mehr wird rechtsextremistisches Gedankengut in ihnen wachsen und gedeihen. Ein wenig Sauerteig säuert den ganzen Teig. Früher oder später wird jeder, der sich mit rechtspopulistischen Ideen beschäftigt, ein Wirt rechtsextremistischer Parasiten sein.

In der Serie "Star Trek", also der klassischen Serie "Raumschiff Enterprise", gibt es mit "Schablonen der Gewalt" eine Folge, die sich damit beschäftigt, daß ein Wissenschaftler von der Erde eine außerirdische Kultur mit den "guten" Einflüssen des Nationalsozialismus positiv gestalten will. Doch das gelingt nicht, letztlich gewinnen die bösen Elemente, die "Star Trek"-Variante des Rechtspopulismus erweist sich als unfähig, Gutes hervorzubringen, sie ist der Boden, auf dem das Nazi-Grauen blüht und gedeiht.

Wir dürfen nicht den Fehler machen, den Rechtspopulismus zu unterschätzen. Er ist nicht weniger gefährlich als der Rechtsextremismus, vielleicht sogar gefährlicher, weil das Böse in ihm sich verstellt wie ein Engel des Humanismus, der Aufklärung, der Kultur. Aber es ist der Engel des Rassismus, ein Teufel, eine Ausgeburt der Hölle.

Das gilt auch für die christlichen Spielarten des Rechtspopulismus - wir haben da nicht weniger als ein falsches Evangelium. Christlicher Rechtspopulismus ist ein breiter Weg, der ins Verderben führt. Das gilt besonders für christlich-rechtspopulistische Islamophobie.

Man muß nicht Islam-Befürworter sein, um auf dem schmalen Weg unterwegs zu sein, man muß nicht glauben, daß der Islam den gleichen Gott verkündet wie der Herr Jesus und seine Apostel (wiewohl der Gott und Vater Jesu Christi mit Sicherheit nicht seine Ohren zuhält, wenn Muslime aufrecht Gott um Hilfe anflehen). Man muß nicht darauf verzichten, Muslime zum Glauben an den Herrn Jesus einzuladen, um auf dem schmalen Weg unterwegs zu sein, man muß nicht glauben, daß es letztlich egal ist, ob man an Gott glaubt oder an Allah.

Aber christlich-rechtspopulistische Islamophobie geht gar nicht. MIssion als Bollwerk gegen den Islam geht nicht. Pro-Israelismus als Begleiterscheinung islamophober Überzeugungen geht nicht.

Es gibt heutzutage zu viele rechtspopulistische Christen, Christen, die sicherlich keine Nazis wollen, aber aus einem verseuchten Brunnen trinken, mit dem sie sich letztlich Parasiten zuziehen, rechtsextremistische Lügengebilde.

Es ist möglich, daß der Islam in der Endzeit eine entscheidende Rolle spielt - aber dennoch dürfen wir den Muslimen bis zuletzt nicht mit Feindschaft, sondern nur mit echter, aufrichtiger Liebe begegnen. Wir müssen für sie eintreten, wenn sie verfolgt werden, für sie beten und sie segnen, wenn sie uns verfolgen. Wer werden sie nicht missionieren, um damit den Islam zu schwächen, aber wir werden sie zum Glauben einladen, eingebunden in ein Miteinander, in dem wir einander helfen, voneinander lernen und miteinander feiern. Wir werden sie zum Glauben einladen, indem wir ihnen Rechenschaft abgeben über die Hoffnung, die in uns ist, mit Sanftmut und Gottesfurcht und einem guten Gewissen ( 1. Petrus 3,15-16 ).

Islamophobie aber ist aus Furcht und Angst geboren - wie sollen wir da Hoffnung haben? Unsere Hoffnung ist doch, daß der, der in uns ist, stärker ist als alle unsere Feinde, als alle Verfolger, als alle, die uns hassen und bedrohen.

 

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