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Fotoentwicklung beim Discounter PDF Drucken E-Mail
Blog - Sonstiges
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Samstag, den 22. Oktober 2011 um 12:09 Uhr

Arg enttäuscht bin ich von der Qualität, die ein großer Drogerie-Discounter, dessen Name ungenannt bleiben soll, im Hinblick auf die Entwicklung von Kleinbildfilmen liefert.

Beginnen wir mit der Feststellung, daß die als Fotos im Format 10 x 15 cm bestellten Fotos digitale Abzüge sind, die tatsächlich 10,1 x 14,8 cm messen. Das immerhin auf "Kodak Royal Digital Paper", vermutlich von der Rolle und nicht paßgenau geschnitten (wenn man freilich 1.000 Bilder mit jeweils 0,2 cm Verlust schneidet, hat man anschließend gute 13 Bilder gewonnen).

Hier ein Scan des Papierbildes, erstellt mit einem Multifunktionsgerät, das farblich nicht kalibriert ist (verlustfrei zugeschnitten auf 3:2, deswegen weißer Rand rechts):

Testbilder Discount-Fotodienst

Nun habe ich zumindest erwartet, daß ein Negativ, das im 2:3-Format daher kommt (Kleinbildformat 24 x 36 mm) auf einem 10x15-Papier nicht beschnitten wird - doch auf dem Papierfoto fehlen an allen Seiten einige Millimeter, jeweils bis zu zwei Prozent - mindestens, weil ich vom Photo-CD-Bild ausgehe, das gegenüber dem Negativ ebenfalls schon beschnitten ist.

Stichwort also "Photo CD ... ideal für die weitere digitale Verwendung". Sie enthält die Fotos als JPG-Dateien. Die Auflösung der Bilder beträgt 1536 x 1024 Pixel, also 1,57 Megapixel. Für die digitale Weiterverwendung ist eine solche Auflösung wohl kaum als "ideal" zu bezeichnen...

"Ideal" wäre für diesen Zweck, wenn die Fotos mit einer Auflösung von wenigstens 10 MP daherkommen (immerhin hat ein Kleinbildfilm eine theoretische Aufklösung von bis zu 38 MP, in der Praxis können immerhin 20 MP erreicht werden), mit einer Farbtiefe von 16 Bit und einem Dateiformat, das nicht verlustbehaftet ist. Anbieten würde sich etwa Adobes  DNG-Format oder auch TIFF.

Aber kommen wir nun zu den JPG-Bildern. Gegenüber den Negativen sind sie beschnitten, an allen Seiten fehlt jeweils ein Stück, dafür prangt links ein unansehnlicher schwarzer Rand. Die Farben der Bilder auf der Foto-CD stimmen nicht mit denen auf dem Papierfoto überein (und ja, mein Monitor ist kalibriert).

Hier nun das JPG-Bild ohne weitere Bearbeitung:

Testbilder Discount-Fotodienst

Was nun noch fehlt ist ein exakter Scan des Negativs - leider habe ich keinen Negativ-Scanner. Man würde dann aber deutlich sehen, daß das Originalbild vom Fotodienst beschnitten worden ist.

Ich habe auch einen Schwarzweißfilm dort entwickeln lassen - und habe Fotos mit Farbstich bekommen. Das betrifft sowohl die Papierausdrucke als auch die Bilder auf der Foto-CD. Dabei hat es das "Labor" sogar fertiggebracht, ähnliche Bilder mit höchst unterschiedlichen Farbstichen zu entwickeln. Schwarzweiß jedenfalls ist das nicht, eher Duoton mit Zufallstönung. Wenn ich mir die Negativstreifen (von einem Kodak Professional BW400CN) anschaue, so fürchte ich, daß die falsch entwickelt worden sind, obwohl ich "Schwarz/Weiß" angekreuzt hatte. Möglicherweise war allerdings genau das der Fehler - der Film ist wie ein Farbfilm mit C-41 zu entwickeln.

Für mich ist die Devise nun klar: Finger weg von Foto-Discountern. Schlimmeres kann man Bildern aus einer guten Kleinbildkamera wie der Canon EOS 3 oder der Olympus OM-1 wohl nicht antun.

Meine nächsten Filme werde ich vom Fachhändler entwickeln lassen. Ob allerdings der um die Ecke der Weisheit letzter Schluß ist, muß sich zeigen. Auf meine Frage, welche Auflösung die Bilder auf einer Foto-CD hätten, hörte ich etwas von 2000 x 1400 Pixeln, das sind gerade einmal 2,8 Megapixel in einem höchst merkwürdigen Format. Wollte man ein 2:3-Bild hineinquetschen, so blieben höchstens 2,7 MP (1334 x 2000 Pixel) übrig. Auch dort vermutlich JPG-Bilder, also geringe Farbtiefe und verlustbehaftete Kompression.

Eine digitale Weiterbearbeitung wäre auch damit alles andere als ideal. Wo eine Canon EOS 7D mit ihrem Crop-Faktor 18 MP schafft (hochgerechnet auf Kleinbildformat wären das 28,8 MP), sollten Digitalisierungen von Kleinbildnegativen wenigstens 10 MP aufweisen. Und auch die 8 Bit Farbtiefe des JPG-Formats sind eine schmerzhafte Beschneidung dessen, was ein Kleinbildfilm darstellen kann, hier bräuchte man 16 Bit.

(Hinweis: Die Testbilder habe ich mit einer Canon EOS 3 und dem Canon EF 50mm F/1.4 USM auf Kodak "Farbwelt 400" FC 400 im  Miniatur Wunderland Hamburg aufgenommen.)

Update

Hier noch ein Scan des Negativs, durchgeführt mit einem Reflecta ProScan 7200 bei 900 dpi (1 MP) unter VueScan ohne weitere Bearbeitung:

Testbilder Discount-Fotodienst

Der ProScan 7200 vermag übrigens bis zu 3200 dpi zu scannen, das entspräche dann bei einem Kleinbildnegativ einer Auflösung von rund 16 MP (effektiv bewältigt der Scanner laut  Filmscanner.info ca. 90 % der nominalen Auflösung, also rund 3.240 dpi bzw. gute 14 MP).

VueScan kennt leider den verwendeten Film nicht, weshalb ich einen anderen Film für die Bestimmung der Farben angegeben habe. Der Weißabgleich berücksichtigt die Neonröhren, die das Miniatur Wunderland beleuchten.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 30. Oktober 2011 um 17:13 Uhr
 

Kommentare  

 
# Die endgültige KatastropheMichael Molthagen 2012-01-25 14:15
Ein beim Drogerie-Discounter entwickelter Kodak BW400CN wurde vom Labor so falsch zerschnitten, daß etwa jedes vierte Bild beschädigt, weil angeschnitten war. Das letzte Bild war zudem nahezu völlig zerstört, da ein dicker vertikaler Streifen das Bild zerteilt.

Hinzu kamen Kratzer und - wie üblich - Farbstiche beim Schwarzweißfilm .
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