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Der DOS-Emulator DosBox beinhaltet ein eigenes, allerdings recht einfaches DOS - und auch die Möglichkeit, ein externes DOS zu booten, wahlweise von einer Diskette oder von einer Festplatte, wobei beide virtuell (also als Abbilddateien) vorliegen müssen.
Die folgende Beschreibung erklärt, wie man in einer unter Ubuntu Linux laufenden DosBox ein externes DOS (hier DR-DOS 7) installiert.
Was ich nicht beschreiben kann, ist der Beweggrund, warum irgendwer ein externes DOS (unter OS/2 nannte man das "DOS von Laufwerk A" bzw. "Virtual Machine Boot") in DosBox installieren sollte... Das interne DOS der DosBox macht seine Sache sehr gut - und externe Dateien, Verzeichnisse und Laufwerke lassen sich ganz leicht einbinden, anders als bei Verwendung eines externen DOS.
Aber manche DOS-Programme laufen vielleicht nur unter einem bestimmten DOS - oder man möchte einfach nur mit einem Betriebssystem (-exoten) spielen.
Benötigt werden:
- DosBox (sudo apt-get install dosbox)
- bximage (sudo apt-get install bximage)
- Abbilddateien der DOS-Disketten
Für DosBox ggf. die deutsche Sprachdatei "German languagefile + Readme" herunterladen, den Inhalt in /home/user/.dosbox entpacken und in der Konfigurationsdatei /home/user/.dosbox/dosbox-0.74.conf unter [dosbox] den Parameter "language" auf "german-0.74.lang" und unter [dos] den Parameter "keyboardlayout" auf "gr" korrigieren. So erhält man eine deutsche DosBox.
bximage benötigt man nur, wenn man DOS auf eine virtuelle Festplatte installieren möchte. Wer DOS nur auf eine oder mehrere virtuelle Disketten installieren möchte, benötigt das Tool nicht.
Die Abbilddateien von DOS und die zu erstellende virtuelle Festplatte empfehle ich in ein Unterverzeichnis von /home/user/.dosbox zu stellen, also z.B. /home/user/.dosbox/drdos7.
Im Beispiel DR-DOS 7 heißen die Abbilddateien z.B. disk01.144, disk02.144 ... disk05.144. Die Dateiendung kann auch IMG, IMA, VFD o.ä. sein.
Wenn Sie noch keine Abbilddateien haben, sondern nur richtige Disketten, können Sie den Linux-Befehl dd verwenden, um von den Disketten Abbilddateien zu erstellen (z.B. dd if=/dev/fd0 of=~/.dosbox/drdos7/disk01.ima, wenn Ihr Floppylaufwerk an /dev/fd0 angeschlossen ist).
Konfigurationsdatei erstellen
In /home/user/.dosbox erstellt man eine Konfigurationsdatei für das externe DOS. Hierzu erstellt man eine Kopie von dosbox-0.74.conf, die man etwa dosbox-drdos7.conf nennt.
In dieser Konfigurationsdatei setzt man unter [dos] "xms" und "ems" jeweils auf "false". Unter [autoexec] sollten vorerst keine auszuführenden Befehle stehen außer: mount d /home/user/.dosbox/drdos7 (Pfad an Ihre Bedürfnisse anpassen).
Damit würde DosBox nach Aufruf von ~/.dosbox$ dosbox -conf drdos7.conf automatisch eine virtuelle Festplatte mit dem Laufwerksbuchstaben D: mounten, die die Dateien im Verzeichnis /home/user/.dosbox/drdos7 enthält.
Virtuelle Festplatte erstellen
Rufen Sie ein Linux-Terminal auf und gehen Sie nach /home/user/.dosbox/drdos7. Rufen Sie nun den Befehl
- ~/.dosbox/drdos7$ bximage
auf und erstellen Sie eine virtuelle Festplatte mit den Werten:
- Hard disk image [hd]
- Flat kind of image [flat]
- Hard disk size [10] - hier geben Sie die gewünschte Größe der Festplatte in MB an, z.B. [30]
- Name of the image [c.img] - hier geben Sie den Dateinamen der virtuellen Festplatte an
bximage verrät nach der Angabe der Größe, wie viele Zylinder (cyl) die virtuelle Festplatte haben wird. Diesen Wert notieren Sie sich bitte, weil Sie ihn zum Einbinden der Festplatte benötigen. Bei 30 MB wären das 60 Zylinder.
Die virtuelle Festplatte ist noch leer - bitte versuchen Sie nicht, Sie unter Linux mit "mkfs.msdos" o.ä. zu formatieren. Sie müssen die Festplatte unter einem externen DOS in der DosBox einrichten (fdisk) und formatieren (format/sys). Nur dann können die DosBox und ein externes DOS die virtuelle Festplatte verwenden.
Externes DOS installieren
Wechseln Sie in Ihrem Terminal in das Verzeichnis /home/user/.dosbox und führen Sie
aus.
Die DosBox wird /home/user/.dosbox/drdos7 als Laufwerk D: einbinden. Ein dir d: in der DosBox sollte nun die Abbilddateien der DOS-Disketten zeigen und die Abbilddatei der virtuellen Festplatte.
Rufen Sie nun bitte in der DosBox
- Z:\>imgmount 2 d:\c.img -size 512,63,16,60 -fs none
auf. Damit binden Sie die virtuelle Festplatte ein. Wichtig sind hier die Parameter -size und -fs:
- -size ist immer "512,63,16,N", wobei "N" für die Zahl der Zylinder steht und von der Größe der Festplatte abhängig ist - in unserem Fall also 60
- -fs none bedeutet, das noch kein Dateisystem installiert ist (-fs fat wäre FAT)
Rufen Sie nun bitte
- Z:\>boot d:\disk01.144 d:\disk02.144 d:\ḑisk03.144 d:\disk04.144 disk05.144
auf, und die DosBox wird das externe DOS von der ersten Abbilddatei starten (zwischen den Abbilddateien wechselt man später, indem man gleichzeitig "STRG" und "F4" drückt - mit jedem Wechsel gelangt man zur nächsten und schließlich wieder zur ersten Datei).
Sie müssen nun die virtuelle Festplatte unter dem externen DOS einrichten (fdisk), formatieren (format c:) und die Systemdateien übertragen (sys c:). Die Installationsdisketten eines DOS übernehmen das meist für Sie, während das DOS installiert wird.
Nach dem Einrichten der Festplatte will das externe DOS neustarten, und die DosBox wird sich dabei beenden.
Rufen Sie danach
erneut auf, und in der DosBox erneut:
- Z:\>imgmount 2 d:\c.img -size 512,63,16,60 -fs none
- Z:\>boot d:\disk01.144 d:\disk02.144 d:\ḑisk03.144 d:\disk04.144 disk05.144
DR-DOS 7 fordert Sie nun möglicherweise auf, die Festplatte zu formatieren. Verwenden Sie dazu format c: /x und sys c:, um außerdem die Systemdateien auf die Festplatte zu übertragen. Mit install starten Sie anschließend die Installation von DR-DOS 7.
Um zur nächsten Installationsdiskette zu wechseln, drücken Sie die Tastenkombination "STRG" und "F4".
Nach der Installation
Nach der Installation testen Sie diese.
Rufen Sie
erneut auf, und in der DosBox:
- Z:\>imgmount c d:\c.img -size 512,63,16,60 -fs fat
- Z:\>boot -l c
Die DosBox sollte nun die virtuelle Festplatte mounten und dann von dieser DR-DOS 7 starten.
Wenn das gelingt, tragen Sie in der Konfigurationsdatei unter [autoexec] ein:
- imgmount c /home/user/.dosbox/drdos7/c.img -size 512,63,16,60 -fs fat
- boot -l c
Den bisherigen Mount-Befehl für Laufwerk D (/home/user/.dosbox/drdos7) können Sie jetzt löschen - er wird beim Starten des externen DOS ohnehin gelöscht.
Das externe DOS starten und benutzen
Mit
- ~/.dosbox$ dosbox -conf drdos7.conf
können Sie nun automatisch DR-DOS 7 als externes DOS in der DosBox starten.
Sie haben leider keine wirklich sinnvollen Möglichkeiten, externe Dateien, Ordner oder Laufwerke aufzurufen - im Großen und Ganzen können Sie abgesehen von der virtuellen Festplatte nur noch eine virtuelle Diskette laden.
Dazu verwenden Sie vor dem Boot-Befehl den Befehl
- imgmount a floppy.ima -t floppy
Sie können nur eine einzige Abbilddatei mounten.
Sinnvollerweise richten Sie jetzt unter Linux einen Starter für diese DosBox ein, der "dosbox -conf /home/user/.dosbox/drdos7.conf" aufruft.
Der Aufruf über ein Terminal hat allerdings den Vorteil, daß Sie etwaige Statusmeldungen der DoxBox im Terminal-Fenster beobachten können.
Exkurs: Kein Start von Festplatte möglich
Leider lassen sich manche DOS-Versionen nicht von einer virtuellen Festplatte starten, auch wenn die Installation auf die Festplatte gelingt.
Sie müssen dann den Umweg über eine Boot-Doskette gehen, um das externe DOS zu starten.
Erstellen Sie hierzu eine virtuelle Boot-Diskette, indem Sie erst einmal disk01.144 als boot.144 duplizieren, um eine Boot-Diskette vorzubereiten.
Starten Sie nun DosBox, mounten Sie die virtuelle Festplatte und booten Sie dann von einer virtuellen Diskette (disk01.144), während die Boot-Diskette (boot.144) eingelesen wird:
- imgmount c /home/user/.dosbox/drdos7/c.img -size 512,63,16,60 -fs fat
- boot /home/user/.dosbox/disk01.144 /home/user/.dosbox/drdos7/boot.144
Erstellen Sie nun im externen Betriebssystem eine Boot-Diskette. Mit "STRG" + "F4" wechseln Sie zwischen den beiden virtuellen Disketten. disk01.144 ist natürlich die Quell- und boot.144 die Zieldiskette.
Danach können Sie das externe DOS mit der Boot-Diskette starten:
- imgmount a /home/user/.dosbox/drdos7/boot.ima -t floppy
- imgmount c /home/user/.dosbox/drdos7/c.img -size 512,63,16,60 -fs fat
- boot -l a
Wenn Sie Ihr externes DOS so booten können, tragen Sie diese Befehle in den Abschnitt [autoexec] der Konfigurationsdatei ein.
(Tipp: Wenn Sie nur die virtuelle Festplatte per imgmount als Laufwerk C: einbinden, die Boot-Diskette aber per "boot boot.ima" starten, können Sie weitere Disketten-Abbilder nach der Boot-Diskette eintragen ("boot boot.ima disk1.ima disk2.ima disk3.ima...") und zwischen diesen nach dem Booten mit "STRG" + "F4" wechseln.)
Exkurs: Externes Dateisystem in DosBox mounten
Ehe Sie das externe DOS in der DosBox booten, wird die dazugehörige virtuelle Festplatte ins Dateisystem der DosBox eingebunden.
Sobald also die DosBox gestartet und die virtuelle Festplatte mit dem externen DOS mittels imgmount c ~/.dosbox/drdos7/c.img -size 512,63,16,60 -fs fat als Laufwerk C. eingebunden ist, können Sie auf dieses Laufwerk zugreifen, noch ehe Sie das externe DOS gestartet haben.
Wenn Sie nun - immer noch vor dem Start des externen DOS - ein Linux-Verzeichnis als Laufwerk einbinden (z.B. mittels mount d ~/Downloads), können Sie mit dem DOS-Befehl copy Dateien zwischen den Laufwerken kopieren, können Sie Dateien löschen usw.
Das funktioniert auch mit einer virtuellen CD-ROM, etwa mit imgmount d ~/cdrom.iso -t iso., wobei Sie dann natürlich nur Dateien von der CD auf die Festplatte kopieren können.
Sobald Sie allerdings das externe DOS starten, wird die Einbindung von Laufwerk D: aufgehoben werden, egal ob es sich um eine virtuelle Festplatte oder ein virtuelles CD-ROM handelt.
Wenn Sie allerdings mit z.B. imgmount d ~/.dosbox/freedos/d.img -size 512,63,16,60 -fs fat eine zweite virtuelle Festplatte einbinden, bleibt der Zugriff auf dieses Laufwerk D: auch nach dem Start von der ersten virtuellen Festplatte möglich. Eine CD kann auf diese Weise allerdings, wie gesagt, nicht dauerhaft eingebunden werden.
Exkurs: Virtuelle Festplatte in Linux mounten
Wenn Sie die virtuelle Festplatte in Linux mounten wollen, so ist das kein Problem.
Erstellen Sie als Root z.B. unter /media einen Mountpoint, z.B. /media/loop0.
Führen Sie folgende Befehle aus:
- ~/.dosbox.drdos7$ sudo losetup /dev/loop0 c.img -o 32256
- ~/.dosbox$ sudo mount -o loop /dev/loop0 /media/loop0
Dies setzt voraus, daß die virtuelle Festplatte eingerichtet (fdisk) und formatiert ist.
Wenn Sie beispielsweise den Gnome Commander mit Administratorrechten starten, können Sie nun Dateien auf die virtuelle Festplatte kopieren.
Um die virtuelle Festplatte wieder auszuhängen, führen Sie folgende Befehle aus:
- ~/.dosbox/drdos7$ sudo umount /media/loop0/
- ~/.dosbox/drdos7$ sudo losetup -d /dev/loop0
Ehe Sie die virtuelle Festplatte wieder in der DosBox verwenden, muß sie unbedingt ausgehängt werden.
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