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Rechtspopulisten PDF Drucken E-Mail
Blog - Sonstiges
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Mittwoch, den 20. Juli 2011 um 11:09 Uhr

Es gibt bis heute keine allgemein anerkannte Definition des (auch von mir) häufig verwendeten Begriffes "Rechtspopulismus".

Wenn ich in meinen Publikationen diesen Begriff verwende, dann meine ich damit Personen, Organisationen, Handlungen und Äußerungen, die sich gegen eine bestimmte Gruppe von Menschen richtet, deren Lebensweise sich vom deutschen bzw. westlichen ("jüdisch-christlich-abendländischen", "aufgeklärten"...) Standard unterscheidet, insbesondere Menschen aus muslimisch geprägten Lebensbereichen (zu denen freilich auch hiesige Konvertiten zählen), außerdem aus Süd-, Süpdost- und Osteuropa und Afrika.

Bei Rechtspopulisten handelt sich um Personen, die nicht zwangsläufig eigentlich "rechts" oder gar rechtsextrem sind - rechtspopulistische Inhalte finden sich auch außerhalb des rechten Spektrums der Gesellschaft, reichen hinein bis in SPD- oder Grünen-nahe Kreise, wollen sich in der politischen Mitte etablieren. Sie finden sich dort, wo Menschen unsicher sind, wo sie klare Strukturen, verbindliche Ordnungen vermissen, denen sie zutrauen, ihr Leben sicher zu gestalten. Klare Strukturen und ein sicheres Umfeld, so die Rechtspopulisten, benötigen eine "Law & Order"-Politik.

Aus dem Rechtsextremismus fließen Ideen, Personen und Forderungen in das rechtspopulistische Milieu - allerdings fließt nichts zurück, außer daß der Rechtsextremismus unter Rechtspopulisten und deren Symphatisanten fischt und neue Anhänger rekrutiert. Der Rechtspopulismus führt jedoch keinesfalls dazu, daß der Rechtsextremismus weniger bedrohlich würde oder an Bedeutung verlöre.

"Rechts" im Rechtspopulismus ist die Annahme, man gehöre einer besseren "Rasse" an, nicht zwangsläufig dem deutschen Volk, sondern etwa dem augeklärten Europa, dem Humanismus, dem jüdisch-christlichen Abendland. "Rechts" definiert sich wohl weniger über den Feind (z.B. die Muslime), sondern über tatsächliche und vermeintliche Verbündete im "Kampf" gegen die Feinde. Manche "Verbündete" werden unfreiwillig assimiliert.

"Populistisch" im Rechtspopulismus bedeutet, daß man sich um eine Nähe zum "Volk" bemüht - und gleichzeitig um Distanz zum "Feind" und dessen tatsächlichen und vermeintlichen Verbündeten (z.B. Politiker, Medien, Kirchen). Man schürt im "Volk"  Ängste, Unzufriedenheiten und instrumentalisiert aktuelle Ereignisse, verbreitet Verschwörungstheorien. Zwischen "uns" und "denen" werden Gräben aufgerissen, vertieft und verbreitert, "Brückenbauer" werden dämonisiert.

Anders als die meisten Rechtsextremisten neigen Rechtspopulisten oftmals dazu, bestimmte "Außenseiter" aus den Reihen ihrer Gegner (z.B. säkulare oder Ex-Muslime) zu "adoptieren", um sich einerseits vor dem Vorwurf zu schützen, man habe etwas gegen "die Muslime" (wobei die Betreffenden gar nicht als beispielsweise Muslime gesehen werden bzw. sich selbst gar nicht so sehen) und andererseits behaupten zu können, bei diesen Personen handele es sich um "objektive Gewährsleute" für die Gefahren, die vom Gegner in seiner Gesamtheit ausgingen. Manchmal legen sich Rechtspopulisten auch entsprechende Tarnidentitäten zu, beispielsweise in Internetforen. Da gibt es dann sowohl den "radikalen Islamisten", aber auch den "bekehrten Islamisten", hinter denen sich in Wirklichkeit Rechtspopulisten verbergen, die angeblich einen authentischen Einblick in die Welt des Gegners gestatten.

Im Hinblick auf den Islam sind Rechtspopulisten nicht immer nur gegen alle Muslime - manche wenden sich nur gegen einzelne Strömungen, etwa die Salafiyya. In jedem Fall wird nicht differenziert, man betrachtet den anderen als monolithischen Block (dies erleichtert die Selbstwahrnehmung als Einheit). Es geht gegen "die Muslime", gegen "die Salafisten", gegen Männer mit langen Bärten und verschleierte Frauen. Wer nicht in das Feindbild paßt, gilt als einer, der "Taqiyya" betreibt, Täuschung im Namen des Islam. Er gilt meist als noch gefährlicher als derjenige, der dem Feindbild der Rechtspopulisten entspricht.

In rechtspopulistischen Kreisen sind Verschwörungstheorien weit verbreitet - demzufolge sind Rechtspopulisten argwöhnisch gegenüber allem, was Politiker, Richter, Journalisten, Kirchenvertreter usw. zum Thema, das die Rechtspopulisten bewegt, von sich geben. So wittert man etwa eine Verschwörung, den Westen zu islamisieren.

Rechtspopulisten neigen dazu, ihre Gegner so lange vor allem durch Worte oder Gesten zu provozieren, bis diese mit verbaler oder gar tätlicher Gewalt reagieren, um sich dann als "unschuldige Opfer" zu präsentieren.

Beleidigungen der Gegner ("Mohammedaner", "Musel", "Vogelscheuchen", "Pinguine", "Kopfwindel" usw.) sind bei Rechtspopulisten ebenso häufig wie absichtlich irreführende Begriffe ("Salafisten", " Burka" usw.). Beleidigungen und Karikaturen spielen eine wichtige Rolle.

Rechtspopulisten sehen sich selbst als das Sprachrohr einer schweigenden Mehrheit, deren Anliegen im besten Fall von den Politikern, Medien usw. ignoriert, im schlimmsten Fall von einer korrupten Minderheit unterdrückt werden. Sie glauben, daß an den Machtzentren nur im Interesse der Machthaber ("die wollen sich bei den Muslimen einschleimen") und bestimmter Minderheiten (z.B. Muslime) gehandelt wird.

Die Rechtspopulisten, so nehme ich an, werden von intelektuellen Rechtsextremisten unterwandert. Darum kann man Rechtspopulismus und Rechtsextremismus nicht deutlich voneinander unterscheiden. Distanzierungen von rechtsesxtremistischen Personen und Parteien sind in etlichen Fällen reine Schutzbehauptungen.

Auch Christen sind vor dem Rechtspopulismus nicht automatisch geschützt - gerade im Hinblick auf den Islam sind rechtspopulistische Inhalte gerade in evangelikalen bzw. freikirchlichen Kreisen weit verbreitet und stellen eine ernstzunehmende Gefahr dar. In manchen Fällen wird eine Mission unter Muslimen von rechtspopulistischen Motiven überlagert ("Mission als Bollwerk gegen den Islam"). Die Religionsfreiheit für Muslime (vor allem Moschee- und Minarettbau, das Tragen von Kopftüchern und Schleiern) wird nicht oder nur mit Einschränkungen verteidigt bzw. vom Verhalten der Muslime gegenüber Christen abhängig gemacht.

Der berechtigte Einsatz für verfolgte Christen in Ländern der islamischen Welt wird nicht nur im Sinne des Rechtspopulismus instrumentalisiert, sondern christliches Fehlverhalten in islamischen Ländern, das oft erst zur Benachteiligung, Diskriminierung und Verfolgung von Christen führt, wird verschwiegen oder relativiert.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 20. Juli 2011 um 12:07 Uhr
 

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