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Das neu entdeckte Interesse an der Christenverfolgung PDF Drucken E-Mail
Blog - Religionsfreiheit
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 04. Januar 2011 um 09:50 Uhr

Warum eigentlich interessieren sich insbesondere Politiker und Journalisten, die bisher einen eher weiten Bogen um das Thema gemacht haben, für die Benachteiligung, Diskriminierung und Verfolgung der Christen, etwa für den Terroranschlag in Alexandria, dem mehr als zwanzig koptische Christen zum Opfer gefallen sind?

Es ist ja nicht so, daß die Christenverfolgung ein neues Phänomen wäre, das unerwartet aufgetaucht wäre - nicht einmal das Ausmaß der Christenverfolgung hat jüngst erheblich zugelegt, sondern befindet sich seit sehr langer Zeit auf einem sehr hohen Niveau.

Es fällt mir schwer, denen, die sich für das Thema bisher so gut wie nicht interessiert haben, bei ihrem neu erwachten Interesse lautere Motive zu unterstellen.

Auffällig freilich ist auch der Versuch, Christen nicht als reine "Unschuldslämmer" darzustellen. Seien es "Missionare" oder auf den Straßen zum Teil gewalttätig demonstrierende Kopten - sie dürfen je und je nicht auf das gleiche Verständnis hoffen wie etwa gegen Israel ausschreitende Palästinenser.

 

Es ist noch zu früh, um abschließend zu sagen, warum Politiker und Journalisten so plötzlich das Thema "verfolgte Christen" für sich entdeckt haben. Vielleicht tue ich ihnen auch unrecht, wenn ich ihnen unlautere Motive unterstelle (ja, vermutlich haben einige von ihnen tatsächlich ehrenwerte Motive).

Im Moment gehe ich aber davon aus, daß in der Öffentlichkeit ein Bild entstehen soll, demzufolge öffentlich ausgelebte Religion schädlich ist, zu Gewalt führt. Verläßt die Religion das stille Kämmerlein, das ihr zugewiesen ist, dann mutiert sie zu einem schrecklichen Monster, das regelrecht Menschenopfer einfordert.

Religion ist nur gut, wenn sie Privatsache bleibt, sich aus Politik, Ethik, Bildung, Gesellschaft, Öffentlichkeit heraushält, sich allenfalls dort zeigt - dann freilich gezähmt und eingehegt -, wo man ihr eine Nische für kultische Darbietungen zur Verfügung stellt.

Bricht sie aber aus ihrer Einhegung aus, so wird sie zur reißenden Bestie.

Das neu entdeckte Interesse an der Christenverfolgung (aber auch an der gewalttätigen Reaktion etwa koptischer Christen auf die Gewalt) will womöglich dieses Bild zeigen und in unsere Vorstellung einbrennen: Religion, die nicht in ihre Grenzen gewiesen wird, wird zur Gefahr für das friedliche Zusammenleben der Menschen. Wir brauchen statt dessen eine Trennugn von Staat und Religion, ja, von Öffentlichkeit und Religion. Religion ist Privatsache, Ausnahmen bedürfen der ausdrücklichen Genehmigung. Der islamische Schleier, die christliche Mission - sie haben freilich unter keinen Umständen etwas in der Öffentlichkeit verloren.

Wenn ich das richtig interpretiere, dann ist das neu entdeckte Interesse an der Christenverfolgung etwas, worüber insbesondere evangelikale Christen sich nicht unbedingt freuen sollten - die Verfolgung der Christen wird womöglich gegen sie instrumentalisiert, damit dann aber auch das Leid verfolgter Christen verhöhnt.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 17. Januar 2011 um 16:35 Uhr
 

Kommentare  

 
-1 # Religionsfreihe itGast 2011-01-04 17:56
Na,das will ich aber hoffen,dass es unseren Politikern Ernst damit ist,die Trennung von Staat und Kirche auch im politischen Diskurs aufrechtzuerhal ten.Wo Religion und Staat eine Einheit sind,so wie in fast allen arabischen Staaten,fühlen wir uns doch sogleich in den ersten Vorhof der Hölle versetzt.Von friedlichem Zusammenleben,v on gleichberechtig tem Nebeneinander der Religionen und Nicht-Religionen,von Gerechtigkeit auch für die Minderheiten einer Gesellschaft kann keine Rede sein,wenn Glaube zur Staatsräson verkommt.Die Statements unserer Politiker richten sich eher an uns selbst und weniger an das Regime,das nur eine notwendigerweis e islamische Version der Menschenrechte akzeptiert und praktiziert.
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