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Gestern fanden in mehreren Bundesländern Razzien gegen diverse muslimische Organisationen wie Moscheen und Shops statt - vor allem ging es um ein als diskriminierend und zur Gewalttätigkeit anreizend eingestuftes, als jugendgfährdend indiziertes Buch, das von bestimmten Kreisen trotzdem offen weitergegeben oder zum Kauf angeboten wird.
In diesem Buch wird u.a. empfohlen, Frauen in bestimmten Situationen zu schlagen.
Ich finde es gut, daß dieses Buch indiziert ist - und daß die Razzia stattgefunden hat. Und ich denke, die meisten Muslime sehen das ebenso.
Manche Muslime sehen es freilich anders...
In einem salafitischen Forum etwa wird die Razzia in einem Atemzug mit Minarett-, Kopftuch- und Schleierverboten genannt und man fragt sich dort, ob denn auch bald der Koran verboten würde (ich nenne den Namen des Forums und die Adresse hier bewußt nicht).
Die Argumentationslinie ist dabei sehr simpel: Es gehe ja gar nicht um ein Schlagen, bei dem die Frau verletzt würde, wenn man ein Kind vor etwas retten will, muß man ja manchmal auch hart zugreifen, es geht ja eigentlich um Erziehung, und Erziehung ist doch nichts Schlechtes, in Deutschland gibt es viel schlimmere Fälle von Gewalt gegen Frauen, und da tut Deutschland ja auch nichts.
Wie kann man eigentlich auf die Idee kommen, es sei in Ordnung, einen erwachsenen Menschen, sei es eine Frau oder ein Mann, zu "erziehen"? Und wer kommt auf die Idee, es sei in Ordnung, wenn ein Mann oder eine Frau den jeweiligen Ehepartner "erzieht"? Wie kann man nur auf die Idee kommen, den Umgang mit einem Ehepartner und den Umgang mit Kindern auf eine Stufe zu stellen?
Ganz egal, ob die Schläge nun leicht sind oder nicht, ob sie zu Verletzungen führen oder nicht - niemand darf den Ehepartner schlagen. Damit erniedrigt man den Partner, stellt ihn einem Kind gleich, verweigert man ihm den Respekt, mißachtet seine Würde.
Diese Erniedrigung ist das eigentliche Problem, nicht die Frage, womit, wie oft und wie stark geschlagen wird. Das gilt dann auch für "ermahnt sie" oder "meidet sie". Nicht die Tatausführung ist das Problem, sondern die Behandlung des Partners als eines "Kindes", das irgendwie erzogen werden muß.
Von daher stehen solche "Erziehungsratgeber für Eheleute" zu recht auf dem Index. Zu recht wird das Schlagen jeder Art als Gewalt gegen Frauen betrachtet, ohne daß man fragt, wie sehr geschlagen wird, womit und wie oft.
Gewalt gegen Frauen in der Ehe läßt sich auch nicht mit dem Hinweis auf Religionsfreiheit entschuldigen.
Es gibt im Prinzip nur einen Rahmen für Schläge in einer Beziehung: Wenn es einvernehmlich geschieht. Und selbst dort sind enge Grenzen gesetzt.
In einem anderen Forum wurde von muslimischer Seite gesagt: Na ja, die Männer erziehen ihre Frauen so, bis hin zu Schlägen, die Frauen erziehen ihre Männer anders. Aber auch da gilt: So nicht. Erwachsene Menschen werden nicht erzogen.
Natürlich benehmen sich Männer und Frauen auch in der Ehe manchmal "strafwürdig" - aber das Gewaltmonopol liegt beim Staat. Ist ein Verhalten strafwürdig, so erstattet man Anzeige und überläßt der Staatsanwaltschaft, der Justiz und dem Strafvollzug die "Erziehung". Alles andere wäre Selbstjustiz, und die ist in Deutschland verboten, und das ist auch gut so.
Wie gesagt: Die Würde des Menschen steht über der Religionsfreiheit. Die Würde des Menschen wird dort angetastet, wo er als Erwachsener wie ein Kind, wie ein Unmündiger behandelt wird, selbst wenn das vermeintlich zu seinem Besten geschieht.
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