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Beliebte Irrtümer zu Moscheen und Minaretten PDF Drucken E-Mail
Blog - Religionsfreiheit
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Freitag, den 11. Dezember 2009 um 15:33 Uhr

Ein Externer Link gleichnamiger Artikel auf "Politically Incorrect" ist Motivation für diesen Artikel...

1. Irrtum: Moschee und Kirche kann man nicht miteinander vergleichen

Falsch. Es gibt Moscheen, die eher wie Kirchen sind (die Moschee sowohl in meinem Wohnort als auch die in dem Stuttgarter Stadtteil, wo sich unsere Gemeinde befindet, sind mir persönlich bekannte Beispiele hierfür) und es gibt Kirchen, die eher wie "PI-typische" Moscheen sind. Es gibt halt weder die Kirche noch die Moschee. Wer meint, man könne Kirchen und Moscheen nicht miteinander vergleichen, muß konsequenterweise auch sagen, man könne die freikirchlichen "Kapellen" der Baptisten, Freien evangelischen Gemeinden, Pfingstgemeinden, unabhängigen Gemeinden usw. usf. nicht mit den Kirchen der Volkskirchen vergleichen. 

Richtig ist: Die Örtlichkeit, die im Islam am ehesten einer christlichen Kirche entspricht, ist die Moschee, auch wenn es mehr oder weniger große Unterschiede gibt. Und umgekehrt ist die Örtlichkeit, die im Christentum am ehesten der Moschee entspricht, die Kirche, die freikirchliche Kapelle, das freikirchliche Gemeindezentrum mit Gottesdienststätte usw. usf., auch wenn es mehr oder weniger große Unterschiede gibt.

2. Irrtum: Muslime brauchen für ihre Rituale keine Moscheen, sondern können diese an jedem beliebigen Ort vornehmen

Falsch. Was für die Ausübung ihrer Religion gebraucht wird, bleibt der freien Selbstbestimmung überlassen. Jeder Muslim hat das Recht, für die Ausübung seiner Religion eine Moschee als erforderlich zu erklären.

Natürlich brauchen auch Christen für ihre Religionsausübung keine Kirchen - die ersten Christen haben sich im Jerusalemer Tempel, in jüdischen Synagogen oder in Privatwohnungen getroffen. Das Pfingstfest als Geburt der christlichen Kirche wurde in einem Wohnhaus gefeiert - da gab es nichts, was auch nur im Entferntesten an eine moderne Kirche erinnert. 

Trotzdem wird niemand abstreiten, daß Christen das Recht haben, die Örtlichkeiten für ihre Zusammenkünfte in Selbstbestimmung zu gestalten, sei es nun eine Wohnzimmerkirche oder eine Kathedrale. Allein das Baurecht vermag, weltanschaulich neutral, in die Selbstbestimmung einzugreifen. 

Wer der Überzeugung ist, Muslime brauchen keine Moscheen, muß konsequenterweise auch sagen, daß die Christen für ihre Rituale keine Kirchen brauchen, sondern diese an jedem beliebigen Ort vornehmen können. 

Und dann muß man freilich auch aufhören, von den islamischen Ländern zu verlangen, daß dort christliche Kirchen gebaut werden dürfen. Und damit hätten die Moschee-Gegner den Ast abgesägt, auf dem sie sitzen, wenn sie bei jedem Moschee-Bau in Deutschland daran erinnern, daß Christen in islamischen Ländern ja auch keine Kirchen bauen dürfen.

3. Irrtum: Ein Minarett gehört nicht zur Moschee

Falsch. Hier gilt das schon zum zweiten Irrtum Gesagte. Jede Religion hat das Recht, die Ausübung ihrer Religion frei und selbstbestimmt zu gestalten.

Die Christen brauchen schließlich auch keinen Kirchturm - von den sechs christlichen Kirchengemeinden in dem Stuttgarter Stadtteil, an dem sich meine Gemeinde befindet, haben drei keine Kirche mit Kirchturm: Die Baptisten, die Methodisten und die Pfingstgemeinde. Kirchtürme haben nur die Kirchen der evangelischen, katholischen und der Rumänisch-orthodoxen Kirche. Allerdings gibt es auch Freikirchen mit Kirchtürmern - es bleibt der jeweiligen Gemeinde selbst überlassen, ob sie sich dafür entscheidet, einen Kirchturm haben zu wollen oder nicht. 

Wer der Überzeugung ist, zu einer Moschee gehört kein Minarett, muß konsequenterweise auch sagen: Zu einer Kirche gehört kein Kirchturm.

(Und dann sollte man auch nicht von irgend welchen Kirchtürmen in islamischen Ländern sprechen.)

4. Irrtum: Vom Minarett wird nicht nur zum Gebet gerufen, sondern sie dienen allein dazu, Andersgläubige einzuschüchtern oder zur Annahme des Islam zu drängen, sie sind "Meilensteine der islamischen Eroberung"

Falsch. Es mag manche Muslime geben, die so denken - aber das ist keine Überzeugung, der alle Muslime oder auch nur eine Mehrheit von ihnen folgen.

Es gibt auch Christen, die der Meinung sind, hierzulande dürften die Minarette nicht höher als die Kirchtürme sein, jene müßten die Minarette stets überragen. Eine solche Auffassung müßte dann konsequenterweise aucgh zum einem "Nein" zu Kirchturmen führen. 

Fazit

Muslime haben selbstverständlich das Recht, im Rahmen geltenden Rechts in der Moschee und auch vom Minarett ihren Glauben frei zu bekennen. Das gilt auch dann, wenn dieser Glaube exklusiv ist, das heißt, "Ungläubige" vom Heil ausschließt - und auch dann, wenn zum Glauben eingeladen wird. Das fällt unter die Religions- und unter die Meinungsfreiheit.

Wie dem auch sei, in manch einer Moschee geschehen Dinge, über die "wir" nur den Kopf schütteln können. Es mag auch Einzelfälle geben, wo der Staat einschreiten muß. Aber das kann kein Totschlagargument gegen Moscheen sein.

Im Übrigen kenne ich genügend christliche Kirchen, in denen Dinge geschehen, über die ich nur den Kopf schütteln kann. Und ich schätze, das gilt noch mehr für Muslime.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 26. Februar 2010 um 17:19 Uhr
 

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