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Schweiz: Zukünftig ist der Bau von Minaretten verboten PDF Drucken E-Mail
Blog - Religionsfreiheit
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Montag, den 30. November 2009 um 11:29 Uhr

Gestern hat eine Mehrheit von 57,5 % dafür gestimmt, daß der Bau von Minaretten in der Schweiz zukünftig verboten sein soll; die Bundesverfassung muß nun geändert werden.

Eines der Argumente der Minarett-Gegner war, daß ein Minarett als Bauwerk keinen religiösen Charakter habe und weder im Koran noch in anderen heiligen Schriften des Islam auch nur erwähnt werde - was freilich auch für Kirchtürme, Kirchglocken und anderes mehr gilt, was im Zuge einer allgemeinen Gleichbehandlung nun ebenfalls verboten werden müßte. Hoffen wir also, daß die Schweizer in Zukunft keine Kirchtürme mehr errichten, keine Kirchenglocken mehr aufhängen - und die schon vorhandenen freilich auch nicht mehr läuten lassen.

Hinter dem mehrheitlichen Nein der Schweizer steckt natürlich nicht die Befürchtung, mit den Minaretten könne der Islam durch etwas "Unislamisches" - nämlich die aus dem Christentum (Kirchtürme!) übernommenen Minarette - "verunreinigt" werden - hier herrschen Xenophobie und Islamophobie, Angst vor einer "Überfremdung" und einer "Islamisierung" der Schweiz. Wir Deutschen dürfen da nicht mit dem Finger auf die Schweizer zeigen - wir sind nicht ohne "Sünde".

Wie dem auch sei, mit dieser Abstimmung hat die Schweiz die Religionsfreiheit stark eingeschränkt - und wird die Integration der Muslime in der Schweiz massiv erschweren.

Nach diesem Schlag gegen die Menschenrechte kann eine geeignete Antwort nur darin bestehen, die Schweiz zu boykottieren - keinen Urlaub in der Schweiz, keine Schweizer Produkte kaufen.

Die christlichen Kirchen in der Schweiz könnten gegen diese Verletzung der Religionsfreiheit protestieren, indem sie ihre Kirchglocken in Zukunft schweigen lassen oder aber in künstlerischen Aktionen ihre Kirchtürme verhüllen und damit eine Gleichstellung demonstrieren.

Sind solche Maßnahmen sinnvoll? Und dürfen wir Deutschen die Schweizer auf den Splitter in ihrem Auge hinweisen, den wir doch kaum sehen können, da ein Balken in unserem Auge die Sicht erschwert?

Ich denke, daß solche Maßnahmen kein "Allheilmittel" sein können, aber doch ein wichtiges Zeichen setzen: Da wurde eine Grenze überschritten, das kann man nicht einfach so hinnehmen.

Was uns Deutsche betrifft und den Balken in unserem Auge: In einer Externer Link Umfrage von Spiegel Online haben bis zu diesem Moment 78,49 % für ein Minarett-Verbot in Deutschland gestimmt und 19,28 % dagegen; 2,23 % sind untentschieden (insgesamt 22726 Stimmen). Es hat also den Anschein, daß es auch unter den Deutschen mit der Religionsfreiheit nicht sehr weit her ist.

(Update 2.12.2009: Mittlerweile ist die oben erwähnte Umfrage bei SpOn kommentarlos verschwunden: "In einer früheren Version des Artikels konnten SPIEGEL-ONLINE-User in einem Vote über das Schweizer-Minarett-Verbot abstimmen. Nach Hinweisen, dass diese Abstimmung von außen manipuliert wurde, hat die Redaktion das Vote vorzeitig abgeschaltet." Persönlich halte ich das Löschen der Umfrage für bedauerlich. Es war sehr interessant zu sehen, wie wenig Rückhalt die Religionsfreiheit in Deutschland genießt. "Von außen manipuliert" bezieht sich vermutlich darauf, daß "PI" auf die Umfrage "hingewiesen" hatte. Allerdings waren die Umfragewerte auch vorher schon deutlich zugunsten eines Bauverbotes für Minarette in Deutschland ausgefallen.)

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 26. Februar 2010 um 17:29 Uhr
 

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