|
Heute bin ich in einem Blog des ZDF auf einen Kommentar gestoßen, der eine Geschichte wiederholt, die ich schon mehrfach gelesen habe - gerade weil sich diese Geschichte so oft wiederholt (nur die Orte wechseln), könnte man an einen "Hoax" oder eine "Urban Legend" denken, aber zumindest hat die Geschichte einen wahren Kern:
"Evangelikale Missionare geben nichtchristlichen Eltern Geld, wenn diese als Gegenleistung ihr Kind auf eine Missionsschule schicken".
Böse Missionare, nicht wahr?
Die Wahrheit hinter dieser Geschichte ist Folgende:
Dort, wo es einerseits keine Schulpflicht gibt (oder diese nicht eingehalten wird) und die armen Eltern auf die Hilfe ihrer Kinder zum Lebensunterhalt angewiesen sind, so daß diese keine Schule besuchen können, greifen Missionsgesellschaften und Hilfsorganisationen seit langem auf diese Methode zurück, auch Kindern aus armen Familien den Schulbesuch zu ermöglichen.
Die Eltern bekommen gerade so viel Geld, wie es der Arbeitsleistung eines Kindes entspricht. Im Gegenzug verpflichten sich die Eltern, ihr Kind auf eine Schule zu schicken.
Das Kind geht nun auf die (Missions-) Schule und lernt dort, was es braucht, um später eine Ausbildung machen zu können. Hier wird also nicht nur "missioniert", also das Kind im christlichen Glauben unterrichtet. Es lernt ganz normale Inhalte, häufig genug in islamischen Ländern auch islamische Religion, unterrichtet von Muslimen.
Auf Missionsschulen kommt regelmäßig ein christlicher Unterricht dazu, in dem die Kinder aber nicht unter Druck gesetzt werden, sie nicht zur Bekehrung gedrängelt werden. Sie sollen einfach mehr über die Christen lernen; denn nur so können Mißverständnisse und Vorurteile überwunden werden.
An keiner Stelle wird Druck oder gar Zwang in Richtung einer Bekehrung ausgeübt - es geht darum, Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen, damit sie aus dem Teufelskreis der Armut ausbrechen können.
Die "Bezahlung" ist erforderlich, weil die Eltern ihren Kindern sonst nicht erlauben würden, statt Geld zu verdienen auf die Schule zu gehen. Selbst wenn die Eltern die Notwendigkeit eines Schuldbesuchs ihrer Kinder einsehen - viele Familie in Entwicklungsländern können es sich nicht erlauben, auf die Arbeitskraft ihrer Kinder zu verzichten.
Diese Form der Mission ist "Hilfe zur Selbsthilfe" - mit "Bekehrung gegen Geld" hat es nichts zu tun.
Viele der Greuelgeschichten, nach denen Missionare angeblich mit Geld locken, damit die Leute sich bekehren, lassen sich so auflösen wie diese oft kolportierte Geschichte.
|
Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß Ihr Kommentar erst vom Webmaster freigeschaltet werden muß, um unerwünschte Werbung zu verhindern. Die Freischaltung erfolgt so schnell wie möglich.