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Seit gestern abend hat die zeit der provisorischen Warmwasser- und Heizungsversorgung mittels "Hot Mobil" ein Ende - die beim Hochwasser vom 4. Juli völlig zerstörte Heizung unserer Wohnanlage ist endlich durch ein modernes energiesparendes System ersetzt und in Betrieb.
Gerne hätte ich ein Bild des "rauchenden" Schornsteins eingestellt, aber da kommt so gut kein Dampf mehr heraus - die neue Anlage nutzt die Abwärme des Gasbrenners für die Warmwasserbereitung, wodurch die Abgastemperatur erheblich gesunken ist - und angeblich auch der Energieverbrauch um 15 %.
Jetzt fehlen eigentlich vor allem noch die Kellerräume und die Schönheitsreparaturen in den Treppenhäusern und Zugängen zur Tiefgarage, dann wären die Folgen des Jahrhundert-Hochwassers von vor vier Monaten weitgehend beseitigt. Und das wird auch Zeit - das nächste Hochwasser könnte schließlich schon im Juli 2011 kommen (die beiden letzten Hochwasser haben Ditzingen am 3. Juli 2009 und am 4. Juli 2010 heimgesucht).
Übrigens habe ich jetzt dank des Buches "Ditzingen im Wasser" von Andreas Häcker neue Zahlen zum Hochwasser. Demzufolge flossen durch den Beutenbach neben unserem Haus pro Sekunde zwischen 30 und 33 Kubikmeter Wasser, Schlamm und Geröll - das Buch nennt zum Vergleich den Neckar bei Wendlingen mit einem durchschnittlichen Abfluß von etwa 40 Kubikmetern pro Sekunde. Die Glems mit ihrem durschnittlichen Pegelstand von 32 cm hat einen Höchststand von 222 cm erreicht.
In Ditzingen wurde eine Regenmenge von 117 Litern pro Quadratmeter und Stunde gemessen - schon 17 Liter gelten als "Starkregen".
Das Beutenbachhochwasser kam in zwei Etappen - zuerst ab 5.30 Uhr vom Scheffzental über die Weilimdorfer Straße in Richtung Innenstadt (noch an unserem Haus vorbei, aber schon von Norden her in unsere Tiefgarage eindringend), dann trat der Beutenbach ab 7.30 Uhr nur wenige Meter südlich unseres Hauses über die Verdolung und hat Gehwege, Tiefgarage und dann auch die Keller vom Süden her überschwemmt. Der meist nur wenige Dezimeter breite und wenige Zentimeter tiefe Beutenbach wurde dabei zu einem etliche Meter breiten und entsprechend tiefen Fluß zwischen Bahndamm und Münchinger Straße.
Im Bereich des "Einsatzabschnittes Weilimdorfer Straße", zu dem auch unsere Wohnanlage gehörte, waren 350 Bewohner betroffen. Pro Minute konnten die Einsatzkräfte 25.000 Liter Wasser aus den Gebäuden abpumpen - eine höhere Fördermenge hätte die Statik der Gebäude in Mitleidenschaft gezogen (zumal unsere Wohnanlage zwei getrennte Kellersysteme hat, die natürlich im Gleichgewicht gehalten werden mußten). Insgesamt wurden 15 Millionen Liter Wasser abgepunpt.
65 Fahrzeuge gingen im Hochwasser unter, acht Wohnungen wurden völlig zerstört. Erstmals mußte die Feuerwehr in Ditzingen ein Boot zur Menschenrettung einsetzen - zehn Anwohner wurden so vor den Fluten in Sicherheit gebracht.
Glück im Unglück hatten die Bewohner unseres Hauses: Alle fünf Aufzüge fuhren durch das Hochwasser in das 2. Untergeschoß hinunter und blieben dort dann stecken - zum Glück fanden die Feuerwehrleute jede Kabine leer vor, als sie Stunden später zugänglich waren (merke: Fahre bei heftigem Unwetter nie mit dem Fahrstuhl).
Viele Bewohner hatten unvernünftigerweise noch versucht, mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage oder in den Keller zu fahren, um ihre Habseligkeiten zu retten, aber sie alle hatte ebenso Glück wie jene, die gerade noch gegen das zuerst von Norden (Weilimdorfer Straße) her eindringende Hochwasser aus der Tiefgarage fliehen konnte. Wer von der zweiten Hochwasserwelle um 7.30 Uhr vom Süden her erwischt worden wäre, hätte keine Chance mehr gehabt, die Untergeschosse lebend zu verlassen.
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