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Wenn Frauen mit Autos verglichen werden... PDF Drucken E-Mail
Blog - On the Slutwalk
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Dienstag, den 06. September 2011 um 11:16 Uhr

Über die Slutwalks wurde und wird kontrovers diskutiert.

Ein Argument gegen die Slutwalks, das man immer wieder hört: "Weil wir den Menschen empfehlen, Autos abschließen, damit sie nicht gestohlen werden, ist es doch kein Problem, Frauen zu raten, sich nicht wie Schlampen zu kleiden, damit sie nicht vergewaltigt werden."

Das klingt logisch - und man übersieht fast, daß da Frauen mit Besitztümern verglichen werden.

Eine Perle mag man wegschließen, damit sie nicht gestohlen wird. Aber wer jetzt fordert, Frauen mit "anständiger" Kleidung zu verhüllen, weil sie ja "Perlen" seien, der macht aus Frauen Objekte, genauer gesagt: Sex-Objekte.

Es mag ja sein, daß wir ein Auto abschließen und darin befindliche Wertgegenstände nicht offen herumliegen lassen. Es mag auch sein, daß man anderenfalls von einer Mitschuld wird ausgehen müssen.

Man kann dieses Vorgehen aber nicht auf Frauen übertragen - nicht nur, weil wir ansonsten eher früher als später bei Keuschheitsgürteln landen, bei schwarz gefärbten Blondinen, alles bedeckenden Schleiern oder sogar Frauen dazu anhalten, ihre Wohnung nicht mehr alleine zu verlassen. Und wir werden jeder vergewaltigten Frau, die eben keinen Gürtel trägt, der nur mit zwei Händen geöffnet werden kann, die ihre Haare nicht schwarz färbt, die sich nicht bedeckend kleidet oder alleine unterwegs ist, eine Mitschuld zuweisen. Und auch die anderen, die mit den Gürteln und den gefäbrten Haaren und der "anständigen" Kleidung, müssen dann erst beweisen, daß nicht ihr Verhalten die Tat provoziert hat.

Frauen sind nicht Besitztümer. Frauen sind keine Perlen, keine Kostbarkeiten. Frauen müssen nicht "gesichert" werden.

Und es gibt keine Entschuldigung für Täter, für Vergewaltiger - egal wie die Frau gekleidet ist, wie sich sich verhält.

Und es darf keine Toleranz für Schuldzuweisungen an vergewaltigte Frauen geben, kein Verständnis für Vorschläge, die Frauen mit Besitztümern gleichsetzen.

Es sei an dieser Stelle noch einmal an das erinnert, was viele so gerne übersehen: Eine Vergewaltigung hat nichts mit Sexualität zu tun. Bei einer Vergewaltigung geht es um Macht, um Erniedrigung. Der Sex dient nicht der sexuellen befriedigung, sondern der Erniedrigung.

Eine Vergewaltigung hat in den allermeisten Fällen nichts nichts mit Gelegenheitstätern zu tun. Der typische Vergewaltiger gehört zum persönlichen Umfeld der vergewaltigten Frau. Um noch einmal das Bild mit dem Auto zu benutzen: Der typische Vergewaltiger hat jederzeit Zugriff auf den Autoschlüssel. Und auf den Schlüssel zu der Garage, in der das Auto steht. Und auf den Schlüssel zur Alarmanlage.

Eine Vergewaltigung hat in den allermeisten Fällen nichts mit der Kleidung zu tun, die eine Frau trägt. Die meisten Mädchen und Frauen, die vergewaltigt werden, tragen weder Minirock noch sind ihre Oberteile tief ausgeschnitten. Männer, die Frauen vergewaltigen, werden auch gegenüber verschleierten Frauen zu Tätern.

Wir werden, und damit möchte ich diesen Artikel beschließen, nicht eine einzige Vergewaltigung verhindern, wenn wir Frauen raten, sich nicht wie "Schlampen" zu kleiden. Wir werden nicht eine Vergewaltigung verhindern, wenn wir Frauen wie Besitztümer behandeln.

Damit machen wir nur den Job der Vergewaltiger. Wir erniedrigen Frauen. Wir demütigen sie.

Wir vergewaltigen sie.

 

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