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Ratschläge und manchmal auch Ermahnungen an Frauen, was sie tun sollen, um nicht sexuell belästigt oder gar vergewaltigt zu werden, gibt es zu Hauf.
Seit jeher der Dauerbrenner: Eine Frau soll sich nicht wie eine Schlampe anziehen. Auch beliebt: Sie soll keinen Alkohol trinken, nicht mit Unbekannten flirten, abends nicht allein ausgehen...
Aber womit nehmen wir uns eigentlich das Recht heraus, Frauen diese Ratschläge zu geben oder gar Ermahnungen zu erteilen?
Sich dieses Recht herauszunehmen, verletzt die Würde der Frauen. Es ist unverschämt.
Im Grunde genommen haben wir nur das Recht, Männern zu sagen, daß sie Frauen nicht sexuell belästigen, nicht vergewaltigen sollen.
Besser noch: Wir haben nur das Recht und wir haben die Pflicht, ihnen zu sagen, daß sie Frauen respektvoll behandeln sollen: Keine anzüglichen Blicke oder solche, mit denen wir die Frauen ausziehen, kein Anstarren der Brüste oder des Hinterns, keine obszönen Sprüche, kein Begrapschen, keine ungewollten Küsse, keine Vergewaltigung. Kein sexualisierter Blick auf das weibliche Geschlecht.
Weder freizügige Kleidung noch sonst irgend etwas berechtigen uns Männer zu der Annahme, eine Frau sei auf der Suche nach Sex und sei mit jedem dahergelaufenen Kerl einverstanden, ein "Nein" sei nur ein "Vielleicht" oder ein Zieren, um es für uns aufregender zu machen. Nur ein ausdrückliches "Ja" ist ein "Ja", nur Einvernehmlichkeit ist akzeptabel.
Männer sollen Frauen respektvoll behandeln. Punkt. Das ist der Rat, das ist die Ermahnung, wenn es darum geht, sexuelle Gewalt zu verhindern.
Natürlich ist es sinnvoll, wenn Frauen darauf achten, daß sie erhobenen Hauptes gehen, den Blick nicht senken, deutlich und bestimmt sprechen, Blickkontakt aufnehmen. Damit - und nicht etwa mit verhüllender Kleidung oder einem "züchtigen" Verhalten - senkt eine Frau das Risiko, sexuell belästigt oder vergewaltigt zu werden. Merke: Eine starke Frau im Minirock läuft weniger Gefahr vergewaltigt zu werden als eine ohnmächtig und hilflos wirkende Frau im Ganzkörperschleier.
Übrigens: Für gesunde Frauen und Männer ist eine einvernehmliche Sexualität die erfüllendste Sexualität. Kein gesunder Mensch will erzwungene Sexualität - entsprechende Mythen, daß richtige Männer sich die Frauen nehmen und richtige Frauen von den Männern genommen werden wollen, sind eben nur Mythen, sie sind Märchen, sie sind Lügen. Das gilt übrigens auch im Hinblick auf Sadomasochisten.
Wir Menschen sind so geschaffen, daß wir einvernehmlichem Sex die größte Befriedigung abgewinnen können. Da gibt es kein "Tier im Manne", keine animalischen Instinkte, die für einen guten Sex befriedigt werden müssen.
Frauen jedenfalls finden Männer sexy, die im Hinblick auf Sexualität auf Einvernehmlichkeit Wert legen.
Übrigens ist es auch nur ein Mythos, das wir Männer Frauen in den Ausschnitt oder auf den Hintern starren müssen, wenn sie tief ausgeschnittene Kleidung oder einen engen Minirock tragen. Das ist ebenso falsch wie das Motto, "wenn die Frau mich mit ihrem tiefen Ausschnitt belästigt, dann habe ich das Recht, ihr dahin zu starren, ohne daß sie das deswegen als Belästigung empfinden darf".
Und nein, wir müssen nicht darüber diskutieren, ob es von Frauen "respektvoll" ist, wenn sie mit tiefem Ausschnitt und engem Minirock herumlaufen, ob wir das als eine "Belästigung" empfinden müssen. Das ist ebensowenig respektlos oder eine Belästigung, als wenn eine Frau sich von Kopf bis Fuß verschleiern würde.
Jeder Mann sollte wissen: "Dieses Kleid meint nicht dich". Dieses Gesetz ist nur dort aufgehoben, wo eine Frau ausdrücklich zu einem Mann "Ja" sagt, "Ja" zu einem Flirt, "Ja" zu einem Kuß, "Ja" zu Berührungen, "Ja" zu Intimitäten. Dann, und nur dann, "spricht" ein Kleid zu dem Mann, den die Frau damit meint.
Zuletzt: Frauen haben das Recht, sich so zu kleiden, wie sie wollen. Mit der Kleidung kommunizieren wir Menschen, und damit fällt die Wahl der Kleidung unter den Schutz der Meinungsfreiheit.
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