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Gehört der Islam zu Deutschland? PDF Drucken E-Mail
Blog - Islam
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Samstag, den 05. März 2011 um 12:50 Uhr

Der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat mit seiner Äußerung, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, für einigen Wirbel gesorgt.

Tatsache ist: Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Ebenso wenig wie das Christentum, das Judentum, der Atheismus, der Buddhismus oder was auch immer.

Ohne Zweifel: Zu Deutschland gehören Menschen, von denen einige einen muslimischen, christlichen, jüdischen oder anderen Hintergrund haben. Niemand darf diese Menschen auf ihre vermeintliche oder tatsächliche Religionszugehörigkeit reduzieren.

Bleiben wir beim Islam. Der Islam - das ist eine Relaität, die nicht existiert. Sie gibt es nicht einmal als Ideal, höchstens als Produkt der Phantasie.

Problematisch wird das mit "dem Islam" schon, wenn man etwa sehr religiöse Muslime aus "dem Islam" herausnimmt, weil ihre Frauen etwa einen Gesichtsschleier tragen. Das, so hören wir dann, habe mit dem Islam nichts zu tun. Sie gehören also, folgt man denen, die sagen, der "der Islam gehört zu Deutschland", nicht zu Deutschland.

Das gleiche gilt etwa für Ex-Muslime. Oder für säkulare Muslime. Besteht man auf dem Phantasieprodukt Islam, so gehören sie nicht dazu - und damit dann auch nicht zu Deutschland.

Das Problem ist eben die Frage, wer die Deutungshoheit über den Begriff "der Islam" oder auch "die Muslime" hat. Wir kommen da ganz schnell zu einem, "wer Muslim ist, bestimme ich" - und so etwas hatten wir in Deutschland schon einmal, nur ging es da um die Juden.

Deutschland hat schon mit "dem Christentum" zu kämpfen, weil "man" darunter immer nur die beiden Großkirchen, evangelisch und katholisch, versteht - und alle anderen unbeachtet läßt, nicht wirklich dazu gehören läßt. Wer sagt, "das Christentum gehört zu Deutschland", wird stets so verstanden, daß damit die Volkskirchen gemeint sind. Alle anderen werden entweder still und leise den Großkirchen untergeschoben - oder bleiben unbeachtet.

Wollen wir, daß sich das im Hinblick auf den Islam wiederholt? Und falls ja, wer wäre dann "der Islam", das Maß aller Dinge? Die islamischen Verbände? Ein Phantasieprodukt namens "Euro-Islam"? Sie große Zahl der nicht sehr religiösen Muslime? Wer und was wäre dieser "Großislam" oder "Volksislam"?

Nein, "der Islam" gehört nicht zu Deutschland. Zu Deutschland gehören Menschen, die einen muslimischen Hintergrund haben, der sehr vielfältig ist. Diese Vielfalt kann man nicht zugunsten eines "Volksislam" mit einem "der Islam" zudecken. Zu Deutschland gehören eben auch Ex-Muslime, säkulare Muslime, religiöse und sehr religiöse und "fundamentalistische" Muslime,, Islamisten und auch Aleviten, Ahmadiyya, Sufi usw. usf. Wer sagt, "der Islam", der betreibt im Hinblick auf die Vielfalt der hier lebenden Menschen muslimischen Hintergrundes Monokultur. Und wer dann einige Muslime, weil bei ihnen beispielsweise die Frauen verschleiert sind, aus "dem Islam" herausnimmt, der bewegt sich an der Grenze zum Rassismus.

 

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