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Oslo: Keine Islamophobie, weil keine toten Muslime? PDF Drucken E-Mail
Blog - Islam
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Donnerstag, den 28. Juli 2011 um 17:43 Uhr

Jetzt tauchen in gewissen Bereichen die ersten Schlaumeier auf, die meinen, das Doppelattentat von Oslo habe gar nichts mit Islamophobie, Islamkritik oder was sonst zu tun, weil unter den Toten ja keine Muslime waren. Islamophobie ohne Muslime als Opfer könne ja unmöglich Islamophobie sein.

Nun gab es unter den erschossenen Jugendlichen wohl durchaus Muslime, allerdings wurden sie von Breivik nicht deswegen erschossen, sondern weil er sie den Sozialdemokraten - den "Verrätern" - zugeordnet hat.

In seinem "Manifest" warnt Breivik übrigens seine "Mistreiter" vor der Ermordung von Muslimen. Dies solle seiner Meinung nach nur in Ausnahmefällen stattfinden, aber primäres Ziel müßten "Verräter" - sprich "Linke" - sein.

Muslime töten, so glaubt Breivik, schade der eigenen Sache... Zudem vertritt Breivik offensichtlich die in manchen Kreisen beliebte Verschwörungstheorie, die "Linken" wollen, daß sich die Wut der Bevölkerung gegen die Muslime richte, weil die Muslime als Opfer dieser Wut und damit einhergehender Attacken für die "Linken" hilfreich seien und dies den "Linken" helfe, daß sich die Wut der Bevölkerung und etwaige Angriffe nicht gegen sei selbst richten würden.

Daß er sich nicht bewußt Muslime als unmittelbare Opfer ausgesucht hat, findet seine Begründung also durchaus in seiner Islamophobie - und Muslime sind somit sehr wohl Opfer dieses Terroranschlags, wenn auch "nur" mittelbar.

Übrigens ist seine Begründung, warum man sich lieber "Verräter" für Angriffe aussuchen sollte, so neu nicht - sie war schon früher in diversen islamophoben Äußerungen zu finden: man schade der eigenen Sache, wenn man Muslime verbal oder tätlich attackiere, besser sei es, sich den "Gutmenschen", Verrätern, Linken usw. zuzuwenden.

Auch eine andere von Breivik in seinem "Manifest" vertretene Idee ist so neu nicht: Man müsse die Muslime so sehr provozieren, daß sie gewalttätig werden. Nur für diesen Zweck empfahl Breivik auch Anschläge unmittelbar gegen Muslime etwa während hoher islamischer Feste, so könne man einen "Jihad" auslösen. Das schwäche dann zum einen die "Verräter"-Regierung und führe den Islamkritikern neue "Kämpfer" zu.

Nun wird man fragen müssen,  wie sehr Breiviks Terror eigentlich den Terror der Taliban von al-Qaida usw. spiegelt. Die Antwort ist nicht neu, aber immer wieder erstaunlich.

Wie Breivik Muslime provozieren und zum "Jihad" reizen will, wollen sie die USA und Israel provozieren und zum "Kreuzzug" reizen. Wie Breivik gerade nicht auf den Gegner, sondern auf die "Verräter" unter den eigenen Leuten gezielt hat, so fallen ihren Terroranschlägen eben nicht vor allem Israelis, Amerikaner, Juden, Christen oder wer sonst ihrem Feindbild entspricht zum Opfer, sondern vor allem "abtrünnige" Muslime, "Heuchler".

Wieder einmmal wird also deutlich: Die radikale Islamkritik unterscheidet sich in nichts vom radikalen Islamismus. Es gibt mehr als nur zufällige und oberflächliche Gemeinsamkeiten; beide sind nur die zwei Seiten einer Medaille, und die heißt Rassismus.

Rassismus, so habe ich in jüngster Zeit gelernt, richtet sich in erster Linie an das eigene Volk, den eigenen Clan, die eigene Rasse. Diese soll von Heuchlern, Verrätern, Andersdenkenden, Ungläubigen, Ketzern und Hexen gereinigt werden. Um das zu erreichen, braucht man einen externen "Katalysator", den man provoziert und reizt, bis er willig in den "Heiligen Krieg" zieht. Das schwächt dann die verräterischen Kräfte in der eigenen "Rasse" und hilft, neue Kämpfer zu rekrutieren, die eigene "Rasse" zu einer "Herrenrasse" zu machen.

Lernen wir also: Die wahren Feinde der radikalen Islamisten sind die Muslime. Die wahren Feinde der radikalen Islamkritiker sind wir. Muslime dort und hier wir, die wir als Verräter gesehen werden, als Heuchler, als Ungläubige.

Radikale Islamkritiker jedenfalls sind eigentlich nicht Islam-, sondern tatsächlich Feinde des Westens, so wie radikale Islamisten Feinde nicht der Israelis oder der Amerikaner sind, der Juden oder der Christen, sondern Feinde der Muslime.

Radikale Islamkritiker sind Feinde unserer westlichen Gesellschaft, die sich ihrer Überzeugung nach mit den Muslimen verschworen hat, um, bewußt überspitzt formuliert, der eigenen Rasse zu schaden.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 29. Juli 2011 um 13:18 Uhr
 

Kommentare  

 
# Korrektur früherer AnnahmenMichael Molthagen 2011-07-28 17:48
An dieser Stelle korrigiere ich eine frühere Annahme von mir: Anfänglich glaubte ich, Breivik wolle mit dem Anschlag zeigen, wie verletzlich unsere Gesellschaft sei, wie wenig wir uns sicher fühlen könnten.

Tatsächlich war das wohl allenfalls ein untergeordnetes Motiv bei seinem Terroranschlag - ihm ging es darum, Werbung für seine Sache zu machen, Mitstreiter zu gewinnen - und die "Verräter" zu bestrafen.
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