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Bereits im Juli 2010 habe ich meine über Jahre hinweg vertretene Auslegung zu
1. Korinther 11,2-16
- Paulus und der Schleier - widerrufen und versprochen, den entsprechenden Artikel Paulus und der Schleier (archivierter alter Artikel) zu überarbeiten.
Seitdem ist mehr Zeit vergangen, als ich damals erwartet hatte, aber jetzt ist es endlich gelungen: Die überarbietete Fassung der Auslegung steht auf den Seiten von Burkaverbot.de, meiner Webseite zur Kopftuch- und Burkadebatte, online zur Verfügung.
Dabei handelt es sich um die mittlerweile fünfte Aufflage des Textes, dem mit Abstand am häufigsten gelesenen Artikel auf meinen Webseiten.
In den ersten vier Auflagen ging ich davon aus, daß Paulus in dem Text gegen den Schleier argumentiert. Jene Verse, die die Verschleierung befürworten, habe ich in enger Anlehnung an die Auslegung von Thomas Schirrmacher (" Paulus im Kampf gegen den Schleier") als Zitate der Korinther gedeutet, die Paulus dann widerlegt, um schließlich die Sitte der Verschleierung aus dem Gottesdienst zu verbannen.
Die vierte Auflage brachte eine kleinere Änderung in der Auslegung des dritten Verses - ich habe eine bis dahin nur von mir vertretene Auslegung zurückgenommen und mich der Mehrheit der Ausleger angeschlossen -, während der Rest des Textes zwar völlig überarbeitet wurde, aber inhaltlich gleich blieb.
Mittlerweile gehe ich davon aus, und das ist Inhalt der nun veröffentlichten fünften Auflage, daß Paulus den Schleier befürwortet - ohne daraus allerdings eine Pflicht zur Verschleierung im Gottesdienst für heutige Christinnen abzuleiten (wobei ich die Argumente des Paulus nach wie vor für korrekt halte, aber davon ausgehe, daß sie kontextualisiert werden müssen, daß also jede Gemeinde die Argumente des Paulus auf den Kontext, in dem sie lebt, anwenden muß. Das kann etwa im Orient durchaus dazu führen, daß man den Schleier befürwortet, doch im Okzident wäre eine solche Anwendung ein falscher Umgang mit den paulinischen Argumenten.
Ich möchte versichern, daß ich mich nicht mit Gefühlen der Rechthaberei und der Streitsucht von der Zitattheorie und der damit verbundenen Annahme, Paulus argumentiere gegen den Schleier, trenne. Ich habe den Theologen, die diese Auffassung vertreten - besonders ist Thomas Schirrmacher zu nennen -, viel zu verdanken, habe viel von ihnen gelernt.
Ich habe mich im Großen und Ganzen der Mehrheit der Ausleger angeschlossen - Paulus befürwortet den Schleier -, auch wenn ich in vielen Details sehr eigene Wege in der Auslegung gehe.
So kann ich die Auffassung vieler Ausleger, Paulus habe sich im Verlauf seiner Argumentation gewissermaßen "verrannt" oder "vergaloppiert" und habe eine doch sehr fragwürdige Theologie abgeliefert, in der er sogar sich selbst widerspricht und schließlich eine Kehrtwende um 180 Grad vollziehen muß, nicht folgen und möchte zeigen, daß wir in diesem Text ein Beispiel großartiger Theologie vor uns haben, wie man sie meines Erachtens von Paulus erwarten darf.
Wenn ich Paulus richtig verstehe, zeigt er uns auch heute noch, wie Männer und Frauen herausfinden können, welches Verhalten für sie im Gottesdienst angemessen ist. Im Korinth des ersten Jahrhunderts war die Frage der Kopfbedeckung äußerst wichtig; heute sind andere Themen dran, und Kleidung sollte dabei keine große Rolle mehr spielen.
Wichtig ist: Die Gottesdienste finden nicht in einem kulturellen Vakuum statt, sondern wollen eingebettet sein in die Kultur, in der die Christen leben. Gottesdienste verbinden das Evangelium Christi mit der Kultur und damit mit den Menschen. Gottesdienstgestaltung erfordert nicht nur theologische, sondern auch kulturelle Kompetenz, damit die Gottesdienste und mit ihnen die Gemeinde kulturell relevant sein kann.
Wer in der heutigen Kultur mit Kopftüchern oder in Moralinsäure gegerbten Kutten kommt, hat Psulus jedenfalls nicht verstanden.
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Kommentare
Wo in meinem Artikel steht etwas von Frauen, denen es (in welchen Ländern eigentlich bitte schön?) sehr schlecht gehen soll?
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