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Die für ihre Evangelikalophobie bestens bekannte "Süddeutsche Zeitung" legt einen weiteren Artikel gegen evangelikale Christen vor - wie gewohnt höchst pauschalisierend und es mit der Genauigkeit nicht allzu genau nehmend: "Liebe geht durch den Stock" von Florian Götz und Oliver das Gupta.
Die Autoren sind der festen Überzeugung, daß "Schlagen unter Berufung auf die Bibel auch in evangelikalen Freikirchen" vorkommt, in denen "sich hierzulande deutlich mehr als eine Million Menschen" oganisieren, bei denen es "eine heimliche Kultur des Prügelns" gibt. Welche "evangelikalen Kirchen" das sein sollen, sagen die Autoren ebenso wenig, wie sie erklären, was das eigentlich sein soll, eine "evangelikale Freikirche", obwohl es so etwas sein muß wie die "Zeugen Jehovas", die von den Autoren ebenso pauschal verunglimpft werden wie weithin die evangelikalen Christen.
Glaubt man den Verfassern, so ist in den "evangelikalen Freikirchen" "die Bibel die höchste Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung". Nun, da ich das etwa in bezug auf Hosea 6,6 oder Amos 5,21-24 tatsächlich so halte (oder das wenigstens tun möchte), bin ich wohl einer von denen, die zu den "evangelikalen Freikirchen" gehöre. Aber ob die Verfasser an solche Bibelstellen denken? Wohl eher nicht. Da zeigt sich wieder einmal, daß es höchst problematisch ist, jene zu verurteilen, die das Alte Testament ernst nehmen, weil eben auch Hoseas oder Amos' Kampf für Gerechtigkeit zum Alten Testament gehört und nicht nur die Züchtigung der Kinder oder das so beliebte "Auge um Auge Zahn um Zahn", worauf das AT von Antisemiten und Evangelikalophoben so gerne reduziert wird (auch wenn der evangelikale US-amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. darauf hingwiesen hat, daß, wenn jeder das Prinzip "Auge um Auge" befolgt, bald alle Menschen blind seien).
Als Zeuge für ihre Anklage rufen die Verfasser allen Ernstes die Tatsache auf, daß ein mir persönlich völlig unbekannter Verlag ganze 4.000 Bücher verkauft haben soll, in denen das Schlagen von Kindern empfohlen wird. Rechnet man einmal jene ab, die das Buch im "Giftschrank" stehen haben (wie vermutlich die Verfasser und auch etliche Theologen) und jene, die aus solchen Stellen sexuelles (sadistisches) Vergnügen ziehen, wie viele Leser bleiben dann noch, die solche Passagen ernst nehmen? Die Verfasser freilich scheinen niemanden gefunden zu haben, außer in irgend welchen Rezensionen im Internet, bei denen die Echtheit nicht geprüft werden kann.
Zum "Giftschrank": Würde man versuchen, aus meiner Bibliothek einen Rückschluß auf meinen Glauben ziehen zu können, so wäre das Ergebnis höchst verwirrend. Da stehen viele Bücher, deren Inhalt ich ganz und gar nicht teile, die ich aber für meine Arbeit kennen muß, ob es nun das "Barnabas-Evangelium" ist, diverse muslimische Polemiken zum christlichen Glauben, der aktuelle Sarrazin oder was sonst. Von daher sagen Verkaufszahlen von Büchern wenig bis gar nichts aus über die Akzeptanz.
Bevor ich falsch verstanden werde: Ja, ich gehe davon aus, daß es evangelikale Eltern gibt, die ihre Kinder schlagen. Ihre Zahl dürfte in etwa so hoch sein, wie es für den Rest der Bevölkerung auch gilt. Ich kenne aber mehr als genug evangelikale Theologen, die das Schlagen von Kindern entschieden ablehnen. Auch die Verfasser sind solchen Theologen begegnet, bemühen sich aber offensichtlich, deren Aussagen zu relativieren und kleinzureden.
Was dem mit der evangelikalen Szene nicht vertrauten Leser bleibt, ist die von den Verfassern gesäte Überzeugung, daß in evangelikalen Kreisen Kinder geschlagen und geprügelt werden, eine Saat, die, wenn sie aufgeht, in der Bevölkerung Vorurteile gegen evangelikale Christen mehren wird - was der MIssion der SZ wohl auch entspricht.
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