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Gemeinsame Gebete mit Muslimen? PDF Drucken E-Mail
Blog - Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Mittwoch, den 15. September 2010 um 09:02 Uhr

Im nordrhein-westfälischen Höxter lehnen lokalen Medienberichten zufolge die beiden Baptisten-Gemeinden am Ort die Teilnahme an einem interreligiösen Gebet ab - was erwartungsgemäß bei vielen Leuten auf Kritik stößt.

Ich habe jedenfalls volles Verständnis für die Entscheidung der Höxteraner Baptisten. Meiner Meinung nach ist das keine Intoleranz gegen Muslime, sondern verantwortungsvolles Handeln, um keine Irritationen bei Christen wie Muslimen zu erzeugen.Die Erfahrung zeigt, daß ein vermeintlicher oder tatsächlicher Synkretismus viele Menschen verunsichert.

Christen beten nun einmal in dem Namen Jesu zu Gott, sie beten in der gemeinschaftsstriftenden Kraft des Heiligen Geistes. Das Gebet zu Gott ist untrennbar mit dem trinitarischen Bekenntnis der Christen verbunden. Soweit es die Juden betrifft, finden Christen das ihnen offenbarte Gottesbild im Ersten Testament bereits angelegt, doch der Islam verwirft es ausdrücklich und erklärt es zur größten Sünde. Manche Muslime sehen schon die passive Teilnahme an einem Gebet zu Jesus oder zum dreieinigen Gott als "Sünde" und könnten somit in Gewissenskonflikte geraten. Andere Muslime wiederum bewerten die Teilnahme von Christen an einem muslimischen Gebet als einen ersten Schritt der "Ergebung" und damit zum Islam. Hier wird von Christen ein falsches Signal ausgeschickt, eine falsche Erwartung hervorgerufen.

Ein weiterer Grund ist die seelsorgerliche Verantwortung der Christen für diejenigen Geschwister, die einen muslimischen Hintergrund haben, vom Islam zum christlichen Glauben bekehrt sind.

Als Baptist sehe ich es richtig und wichtig an, mit Muslimen und sowieso mit allen Menschen, gleich welchen Glaubens, gemeinsam zu leben: einander helfen, voneinander lernen, miteinander feiern (Konvivenz).

Aber miteinander beten, miteiner Gottesdienst feiern geht m.E. über die gebotene Konvivenz hinaus. Ich kann als Christ als Gast an einer islamischen Kulthandlung teilnehmen, etwa am Freitagsgebet in einer Moschee, am Fastenbrechen - doch eben nur als Gast.

Man kann freilich unterscheiden zwischen einem "Gebet nebeneinander" und einem "Gebet miteinander". Bei dem einen finden die Gebete zur selben Zeit und am selben Ort statt, werden aber liturgisch voneinander getrennt. Bei dem anderen werden die Gebete in eine gemeinsame Liturgie eingebunden.

Mir ist nicht klar, was für Höxter vorgesehen ist; viele evangelikale bzw. freikirchliche Christen machen bei einem "Gebet nebeneinander" durchaus mit und lehnen lediglich das "Gebet miteinander" entschieden ab.

Bei einem solchen Gebet nicht mitzumachen, ist meiner Überzeugung nach nicht per se eine Form der Intoleranz Andersgläubigen gegenüber.

Problematisch ist, daß man die Weigerung der Höxteraner Baptisten, sich an dem gemeinsamen Gebet zu beteiligen, so lautstark in die Welt hinausposaunt hat. In ökumenischen Arbeitskreisen ist es eigentlich üblich, solche Dinge "leise" handzuhaben und nicht an die große Glocke zu hängen. Ich weiß nicht, wer hier gegen diese Gepflogenheiten in der Ökumene verstoßen hat - dort liegt aber möglicherweise der eigentliche Skandal.

Die Ökumene betont hierzulande das Prinzip, daß es jederzeit jeder teilnehmenden Gemeinde freigestellt ist, an gemeinsamen Verantaltungen nicht teilzunehmen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen oder sich an den Pranger gestellt zu sehen. Hier eine Rechtfertigung von den Baptisten zu verlangen, ist ein zutiefst ökumene-feindliches Verhalten jener Personen, die sich beschweren, daß sich die Höxteraner Baptisten nicht öffentlich erklären.

Nicht die Weigerung der Höxteraner Baptisten, sondern der Umgang mit dieser Weigerung in Höxter belastet die Ökumene, das Miteinander. Ich hoffe nicht, daß sich hier jemand auf Kosten der Baptisten profilieren möchte.

Ich gehöre als Baptist nun seit fünf Jahren zu einem Ökumenischen Arbeitskreis, dem ich auch zwei Jahre lang als Vorsitzender zur Verfügung gestanden habe. Von daher betrüben mich die Vorgänge in Höxter - nicht wegen der Absage seitens der Baptisten, sondern wegen des Scahdens für die Ökumene am Ort, der durch die öffentliche Diskussion entsteht.

 

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