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Die Evangelikalen geraten ins Fadenkreuz PDF Drucken E-Mail
Blog - Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Mittwoch, den 08. September 2010 um 14:29 Uhr

Daß Terry Jones und seine rund 50 Personen kleine Sekte Dove World Outreach Center am 11.9. etwa 200 Korane verbrennen wollen, erlebt in den internationalen Medien und darüber hinaus ein unglaubliches Echo - unglaublich, bedenkt man, wie klein und unbedeutend diese isolierte Gruppe tatsächlich ist.

Selbst die drohende Steinigung von Sakineh Ashtiani im Iran findet nicht einmal annähernd die selbe Resonanz, wenn ich nach dem gehe, was derzeit in meinem Newsreader aufschlägt (Steinigung gestern und heute drei Artikel, Koran-Verbrennung gestern und heute 43 Artikel).

Problematisch ist aber, daß etliche Kreise beginnen, sich nun auf die evangelikalen Christen einzuschießen. War es etwa hierzulande zuerst nur die SZ, so sind es nun immer mehr Medien, die am Haßobjekt "Koranverbrennung" ein indifferentes Feindbild Evangelikale aufbauen - Hinweise darauf, daß hinter Jones nur eine Handvoll verführte und verblendete Fanatiker stehen und evangelikale Christen nicht nur in den USA, sondern weltweit gegen die geplante Verbrennung protestieren und das Vorhaben ausdrücklich verurteilen, findet man häufig nur noch in einigen kurzen Sätzen am Ende der Artikel und Kommentare zum Geschehen. Wenn überhaupt.

Normalerweise heißt es nur noch: "Evangelikale planen Koran-Verbrennung".

Egal, ob Medien, liberal-christliche oder muslimische Kreise - die geplante Koran-Verbrennung wird den Evangelikalen in die Schuhe geschoben, und erste Forderungen, etwas gegen die Evangelikalen zu unternehmen, werden laut.

Die Saat der Evangelikalophobie geht auf,  und kommt es am 11. September zur Koran-Verbrennung, ist es wohl nicht mehr die Frage, ob es zur Gewalt gegen evangelikale Christen kommt, sondern wo das Feuer des Hasses seine schlimmsten Herde haben wird.

Natürlich werden vor allem evangelikale Christen in islamischen Ländern zu leiden haben, sie wird der Haß und die Wut am schlimmsten treffen. Aber auch anderswo dürften evangelikale Christen zu einer Zielscheibe des Hasses werden - und nicht nur von Seiten empörter Muslime, sondern auch von Seiten jener, die ohnehin evangelikophob sind.

Wie dem auch sei, ich hoffe, es gibt am 11.9. einen so heftigen Wolkenbruch über Florida, daß die Koran-Verbrennung von einer Sintflut hinweggespült wird.

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 08. September 2010 um 14:43 Uhr
 

Kommentare  

 
# 7 von 43Michael Molthagen 2010-09-08 15:04
Für gestern und heute zeigt mein Newsreader 43 Artikel zur Koran-Verbrennung an.

In nur sieben davon wird erwähnt, daß evangelikale Organisationen das verurteilen und dagegen protestieren - und von diesen 7 sind wiederum 5 christliche Medien (4 davon evangelikal), nur 2 sind "weltlich" (es hätte noch einen achten bzw. dritten Artikel geben können, aber interessanterwe ise hat eine Zeitung einen Agenturbericht nahezu unverändert übernommen - doch den im Original noch vorhandenen Hinweis auf den evangelikalen Protest hat man ersatzlos gestrichen. Wozu den Leser mit solchen Fakten belästigen, wenn man sich mit dem Feindbild Evangelikale so schön einrichten kann?).

Daß auch die Evangelikalen in Deutschland die Verbrennung verurteilen, habe ich übrigens nur in drei Artikeln gefunden, und alle drei sind evangelikal geprägt.
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# Evangelikal?Michael Molthagen 2010-09-08 17:27
Die Evangelische Allianz ist offenbar der Meinung, man könne Terry Jones überhaupt nicht als Evangelikalen bezeichnen - tatsächlich habe sein sektiererisches Christentum mit dem evangelikalen Selbstverständn is nichts gemein.

Der Sektenvorwurf trifft sowohl auf seine Zeit in Köln als auch jetzt in Florida zu, aber dummerweise können auch Evangelikale Sektierer sein - der Begriff "evangelikal" ist nun einmal nicht geschützt (auch wenn die Evangelische Allianz m.E. gerne für sich in Anspruch nehmen würde, die einzige Vertretung der Evangelikalen in Deutschland zu sein und hierzulande die Deutungshoheit über den Evangelikalismu s zu haben).

Und ich halte es auch für falsch, so zu tun, als gebe es Problematisches bei "uns" nicht.

Ein "das hat mit dem Evangelikalismu s nichts zu tun" - wie man es aus einer anderen Ecke zur Genüge kennt - paßt m.E. nicht zu dem, wofür evangelikale Christen stehen. Wir müssen zu unseren Fehlern, zu Fehlentwicklung en in unseren vielfältigen Kreisen stehen, egal ob nun im charismatischen , fundamentalisti schen Lager oder wo sonst.
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