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Das neue Leben als Geschenk der Gnade PDF Drucken E-Mail
Blog - Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Freitag, den 13. August 2010 um 12:15 Uhr

Predigt zu Epheser 2,1-10

Zu halten am 15. August 2010 (11. Sonntag nach Trinitatis) in der  Martin-Luther-King-Kirche (Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde – Baptisten – Stuttgart-Zuffenhausen)

Über Kommentare zu dieser Predigt würde ich mich sehr freuen.

Predigttext

Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, in denen ihr früher gelebt habt nach der Art dieser Welt, unter dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams.

Unter ihnen haben auch wir alle einst unser Leben geführt in den Begierden unsres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Sinne und waren Kinder des Zorns von Natur wie auch die andern.

Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden – und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus.

Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.

Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

(Luther-Übersetzung 1984)

Predigt

Liebe Gemeinde,

unser Predigttext beginnt mit einer Ermahnung an die Christen an der Westküste Kleinasiens, zu denen auch die Hafenstadt Ephesus, der wichtigste Empfänger dieses Rundbriefes des Apostels Paulus, gehörte.

Sie sind Christen, ja, sie sind erlöst durch Christus, ja, sie haben die Erkenntnis der Herrlichkeit Christi, ja, sie sind gesegnet mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus, ja, sie sind durch Gottes Liebe vorherbestimmt, Gottes Kinder zu sein, ja, sie sind etwas ganz Besonderes. Sie sind nicht wie die Heiden, o nein, auch nicht wie diejenigen Juden, die den Messias Jesus nicht kennen, keinesfalls. Sie haben ein neues Leben, ein besseres Leben. Sind sie nicht etwas Besseres als die anderen, besser als die Heiden, besser als die Juden?

„Auch ihr wart tot durch eure Übertretungen und Sünden, in denen ihr früher gelebt habt nach der Art dieser Welt“, predigt Paulus denjenigen in und um Ephesus, die von sich glauben, sie seien etwas Besseres als all die anderen, die Jesus nicht kennen, die keine Erkenntnis haben, die nichts wissen von den geistlichen Segnungen aus dem Himmel, die nur fleischlich sind, unwissend, ja dumm im Hinblick auf das Geistliche. Unter ihnen gibt es die Gnostiker, die sich sogar besser dünken als jene Christen, die nicht zur Gnosis behören, die keine besondere Erkenntnis haben. Die Reihenfolge ist klar: Am Besten sind die gnostischen Christen, dann kommen die normalen Christen – und ganz unten stehen die Heiden und, vor allem von den Gnostikern zutiefst verachtet, die Juden.

Paulus erinnert seine Leser und Zuhörer daran, daß sie nicht immer so voller Erkenntnis waren, nicht immer so gesegnet, wie sie es jetzt sind.

Und er sagt es mit drastischen Worten: Tot wart ihr! Tot wart ihr durch eure Übertretungen und Sünden!

Ihr wart tot – kann ein Toter sich selbst ins Leben zurückholen? Das ist natürlich ausgeschlossen. Wer tot war und jetzt lebt, der kann sich darauf nichts einbilden. Ganz offensichtlich ist es nicht sein Verdienst, daß er jetzt lebt und nicht mehr tot ist. Er kann nur dem die Ehre erweisen, der ihn aus dem Tod ins Leben zurückgeholt hat.

Nun mag manch einer gesagt haben: Nun übertreibe 'mal nicht, Paulus. Wir waren doch nicht tot. Darum verweist Paulus auf den Totenschein, wo unter „Todesursache“ eingetragen steht: „Übertretungen und Sünden“.

Also Paulus, die eine odere andere kleine Sünde, okay, aber deswegen ist man doch nicht gleich tot? Deswegen mußt du doch nicht gleich mit dem Totenschein vor uns herumwedeln! Klar, wer eine große Sünde tut, dessen Lohn ist der Tod. Aber unsere kleinen Sünden... Und außerdem haben wir ja auch gute Werke vorzuweisen. Das gleicht sich doch schließlich aus, oder nicht?

Sünde, liebe Geschwister, ist keine moralische Kategorie, keine Frage der Ethik. Das Problem der Sünde ist auch nicht, ob sie groß oder klein ist. Oder ob wir zwischen bösen Werken und guten Werken eine positive Bilanz haben oder eine negative.

Das Problem der Sünde ist, in wessen Wirkungsbereich wir leben.

Es gibt nach Paulus zwei Mächte, in deren Wirkungsbereich jeder Mensch lebt – entweder leben wir im Wirkungsbereich Gottes – oder wir leben im Wirkungsbereich des Teufels. Ein Drittes gibt es nicht.

Im Wirkungsbereich des Teufels leben, das nennt die Bibel Sünde, selbst dann, wenn wir etwa einer sehr humanistischen, menschenfreundlichen Philosophie folgen, wenn wir sehr moralisch sind, grundanständig, wenn unser Handeln jederzeit der Maßstab einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte. Das Gegenteil von Sünde ist nicht Moral und Anständigkeit, sondern Leben im Wirkungsbereich Gottes.

Leben wir im Wirkungsbereich des Teufels, dann bewirkt das in uns nicht immer und nicht einmal meistens das moralisch Verwerfliche, das Schlechte, das Böse. Es bewirkt in uns die Trennung von Gott, und das bedeutet für uns Menschen den Tod. Das ist das, was wir Christen meinen, wenn wir von Sünde sprechen.

Liebe Gemeinde,

es ist Paulus wichtig, daß wir verstehen, daß wir in keiner Weise besser sind als diejenigen, die nicht zur Gemeinde gehören, die keine Christen sind. Gott hat uns nicht errettet, weil wir besser sind als andere. Wir haben unsere Errettung nicht mit einem besseren Lebensstil verdient. Wir sind nicht deswegen Gottes Kinder, weil Gott unsere gute Lebensführung gesehen und uns darum für wert erfunden hätte, uns die Erkenntnis seiner Herrlichkeit und alle Segnungen des Himmels zu geben.

Nein, das Leben, das wir vor unserer Bekehrung geführt haben, unterscheidet sich in keinem einzigen bedeutsamen Punkt von dem, was jene führen, die nicht bekehrt sind. Wir alle, und da nimmt sich auch Paulus selbst nicht aus, haben unter dem Einflußbereich des Teufels gestanden. Wir alle haben unser totes Leben geführt, indem wir unser selbstsüchtiges Wesen in den Vordergrund gestellt haben. Wir alle haben getan, was unsere Selbstsucht und unser Denken uns vorgaben. Wie schon gesagt, nichts von alledem bedeutet, daß wir alle moralisch versagt hätten. Oder daß die Nichtchristen per se unmoralisch wären und ihr Tun und Lassen in jedem Fall unmoralisch wäre, in moralischer Hinsicht jedenfalls den Christen unterlegen.

Liebe Gemeinde,

das Problem, das wir hatten, als wir noch keine Christen waren und das Problem, das aus unserer Sicht alle die haben, die jetzt keine Christen sind, ist nicht ein Mangel an Moral, ein Mangel an guten Taten oder gar ein Zuviel an bösen Werken, an Unanständigkeit.

Das Problem besteht dort, wo nicht aus der Verbindung mit dem Herrn Jesus heraus gehandelt wird, wo keine Verbindung zu Jesus besteht.

Die Moral ist ausschließlich ein Werk Gottes, alle guten Werke entspringen einzig und allein der Schöpfungskraft Gottes. Nicht wir Menschen sind Urheber von guten Taten, sondern Gott allein bringt die guten Taten hervor, in Christen und Nichtchristen, in jedem Menschen. Unsere Fähigkeit, Gutes zu tun, ist von Gott in unseren genetischen Code, in unser Erbgut eingewoben. Jede gute Tat, die wir tun, hat ihren Ursprung in Gott, dem Schöpfer des Lebens.

Gott will, daß unsere guten Werke in erster Linie einer guten Gemeinschaft zwischen den Menschen dienen, voller Liebe und Gnade. Wo die Menschen von Gott getrennt sind, da gerät dieser grundlegende Aspekt guter Werke zuerst aus unserem Blickfeld.

Wo die Menschen von Gott getrennt sind, da führt diese Trennung zu einer Perversion der guten Taten. Nicht zwangsläufig zu einer moralischen Perversion, ganz und gar nicht, aber zu einer Perversion im Bereich der Beziehungen, zu Selbstsucht etwa und dazu, daß wir unsere guten Taten an Erwartungen knüpfen, an Bedingungen, an allzu menschliches, die Bibel sagt „fleischliches“ Denken.

Liebe Gemeinde,

getrennt von Gott, machen wir unsere guten Taten abhängig von dem, was wir uns von ihnen versprechen – für uns selbst, für unsere Familie, für unseren Clan, für unsere Stadt, für unsere Nation, für unsere „Rasse“, für unsere Kirche, für die Menschheit. Etwaige Feindbilder bestimmen das Maß unserer guten Werke.

Gute Taten werden vorab an ihrer zu erwartenden Nützlichkeit für uns selbst und für die Unseren gemessen. Je nützlicher sie uns im Hinblick auf uns und die Unseren erscheinen, um so wahrscheinlicher ist es, daß wir sie tun.

Tue ich etwas Gutes, so verspreche ich mir davon einen unmittelbaren oder mittelbaren Vorteil. Sei es, daß ich darauf hoffe, daß der Empfänger meiner Wohltaten oder auch jemand, der meine guten Werke registriert hat, mir im Falle eines Falles hilft, sei es, daß ich damit das Schicksal oder eine animistische Macht oder eine Gottheit gnädig stimmen will.

Unsere guten Taten sind mehr oder weniger berechnend – ich will mir mit ihnen mein Leben und das von denen, die wir am Herzen liegen, möglichst angenehm gestalten. Je mehr ich Gutes tue, um so mehr kann ich damit rechnen, daß auch mir und den Meinen Gutes geschieht.

Und natürlich auch das: Je mehr ich Gutes tue, um so mehr kann ich für mich etwaige Vergehen überdecken.

In aller Regel – die von bemerkenswerten Ausnahmen lediglich bestätigt wird – knüpfen wir unsere guten Taten an Erwartungen oder auch an Bedingungen. Wir knüpfen einen Teppich der guten Werke, der guten Taten, einen Teppich, von dem wir uns versprechen, daß wir darauf letztlich bequem leben können. Und je mehr Menschen wir mit auf diesem Teppich leben lassen können, um uns herum, um so sicherer fühlen wir uns im Zentrum.

Und ja, der Mensch ist beinahe in der Lage, ein Paradies auf Erden zu schaffen, ist beinahe imstande dazu, das ganze Tohuwabohu, das wir auf Erden vorfinden, mit einem gut aussehenden Teppich zu bedecken, den wir aus unseren guten Taten knüpfen.

Aber wenn wir diesen Teppich einmal umdrehen, uns die Unterseite anschauen, dann sehen wir, daß dieser Teppich ziemlich ziellos geknüpft ist. Überall sehen wir lose Fäden, sehen wir, wie durcheinander die Fäden laufen, wie oft die Fäden zerrissen sind. Wir sehen, daß an vielen Stellen Erwartungen und auch Bedingungen eingeknüpft sind – und wenn die sich nicht erfüllen, dann platzt der Teppich an diesen Stellen bei der kleinsten Belastung auf.

Wir sehen, daß wir viele Fäden vorsätzlich gar nicht erst mit anderen verknüpft haben. Wir sehen, daß wir viele Fäden mutwillig zerschnitten haben, weil wir uns von anderen nichts versprechen, weil wir von anderen nichts erwarten.

Vielleicht sind wir in der Vergangenheit enttäuscht worden, vielleicht haben wir Vorurteile, vielleicht will der andere gar nicht, daß wir uns mit ihm verknüpfen, weil er uns dunkle Motive unterstellt, etwa den Missionaren.

Dieser ganze Teppich guter Werke, den wir Menschen knüpfen, weist jedenfalls sehr viele Risse und Löcher auf, an vielen Stellen ist er dünn und fadenscheinig. Wir versuchen, die Risse und Löcher zu stopfen – und zu oft gelingt das nur, indem wir Gewalt anwenden, durch Polizeiaktionen, durch gerichtliche Maßnahmen, durch Kriege.

„Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein“ - dieser altbekannte Satz ist leider eine Konstante dort, wo wir Menschen uns um gute Werke bemühen. Natürlich kommt nicht auf jedes gutes Werk ein eingeschlagener Schädel, aber dennoch: Ohne Gewalt scheint es nicht zu gehen. Gute Werke einerseits und Gewalt bis hin zu Kriegen andererseits sind nur die zwei Seiten ein und derselben Medaille – Leben ohne Gott, Sünde.

Liebe Gemeinde,

durch den Sündenfall ist nicht nur die Gemeinschaft zwischen Gott und Menschheit aufgetrennt, leben wir in der Sünde genannten Trennung von Gott, sondern ist auch die Gemeinschaft zwischen den Menschen aufgetrennt, leben wir nicht als eine Menschheit, sondern als Einzelne, die sich bestenfalls zu mehr oder weniger losen Verbindungen zusammenschließen, die oft nur dazu dienen, uns zu schützen, weil wir in einem Bündnis stärker sind als allein. Gemeinschaft entsteht oft vor allem dort, wo wir uns von einer Verbindung mit anderen eine Stärkung unserer Position versprechen. Und oft reichen schon unbestätigte Gerüchte und dumme Vorurteile, um eine solche Verbindung wieder zerreißen zu lassen. Oft genug sind es gemeinsame Feindbilder, die zu einer Allianz und damit verbundenen guten Werken führen.

Allein die Liebe ist etwas anderes: Wo ein Mensch sich verliebt, da sorgen einige außer Rand und Band geratene Hormone und eine handvoll amoklaufende Neuronen dafür, daß wir uns auf Beziehungen einlassen, an die wir im Normallfall kaum denken würden. Dann denken wir nicht zuerst an den Vorteil, den eine Verbindung uns verspricht, sondern an den anderen, an den Menschen, den wir lieben, mit dem wir uns verbinden wollen, auch wenn das nur Nachteile für uns mit sich bringen würde.

Verliebtsein ist eine letzte schemenhafte Erinnerung an die Gemeinschaft der Menschen, wie sie vor dem Sündenfall war, ohne den Gedanken an persönliche Vorteile, ohne Erwartungen und Bedingungen.

Und wo aus dem Verliebtsein Liebe wird, was nicht ohne harte Arbeit gelingt, da können wir etwas aus diesem paradiesischen Urzustand in einen kleinen Winkel dieser Welt hineinretten.

Liebe Gemeinde,

wo wir mit dem Herrn Jesus verbunden sind, kommt eine neue Qualität in unsere guten Werke. Wir werden dadurch nicht mehr Menschen satt machen, nicht mehr Menschen von Krankheiten heilen, nicht mehr Trinkwasser bereitstellen können als ohne die Verbindung mit Gott.

Aber durch die Verbindung mit Gott werden die guten Werke um den so wichtigen Faktor „Gemeinschaft“ ergänzt und erhalten damit eine neue Qualität. Gemeinschaft führt zum Leben. Für die Bibel gehören „Gemeinschaft“ und „Leben“ zusammen. Ohne Gemeinschaft ist Leben undenkbar, herrscht der Tod. Wo Gottes Geist Gemeinschaft schenkt, da kehrt Leben ein, da werden Skelette mit Fleisch, Haut und Haaren bedeckt, werden Tote lebendig.

Doch zuerst muß Gott uns aus dem Tod auferwecken. Er muß die Trennung, die zwischen Gott und uns besteht, überwinden. Er muß uns mit sich verbinden, damit das Leben, das aus ihm fließt, durch uns in die Welt gelangen kann.

Dazu nimmt er nicht diejenigen von uns, die aufgrund besonders guter Werke besonders geeignet wären. Nein, im Regelfall nimmt Gott gerade die Schwächsten von uns, die am wenigsten geeigneten, diejenigen, die in Sachen Gute Werke – Böse Werke keine so gute Bilanz haben.

Liebe Gemeinde,

Gott wendet sich aus Gnade denen zu, die nichts haben, dessen sie sich rühmen können. Sie macht er lebendig, sie macht er selig, sie erweckt er aus den Toten, sie setzt er mit Christus im Himmel ein. Sie verbindet er zu einem Leib, dessen Haupt der Herr Jesus ist.

Gott hat uns ein neues Leben gegeben, doch dieses neue Leben ist freilich kein Selbstzweck. Es geht nicht darum, daß wir uns nun an diesem neuen Leben erfreuen, es bestaunen, uns unserer Erkenntnis rühmen, uns an den himmlischen Segnungen, die uns zuteil werden, den geistlichen Bauch vollschlagen.

Wir sind aufgerufen, unseren Lebenswandel dem neuen Leben, das Gott uns geschenkt hat, anzugleichen. Und das bedeutet nichts anderes, als daß wir unsererseits Leben in eine tote Welt hineinbringen.

Das beginnt damit, daß wir den Menschen um uns herum mit eben derselben Gnade begegnen, mit der auch Gott uns begegnet ist. Wir sollen reich sein an Barmherzigkeit, sollen die Menschen lieben – unsere Geschwister, unsere Nächsten, ja, selbst unsere Feinde.

Wir sollen diejenigen Menschen, die in dieser Welt schlafen, aufwecken – sie auf den Herrn Jesus hinweisen, der ihnen erfülltes und erfüllendes Leben geben kann, weil er sein Leben für uns hingegeben hat.

Und auch hier – unser Weckruf sollte immer wieder auch gerade denen gelten, denen die meisten Menschen eher aus dem Weg gehen, denen, die arm sind, denen, die schwach sind, denen, die am Rande stehen, denen, die krank sind, denen, von denen niemand etwas erwartet.

Am Anfang wurden wir ja von Paulus mit deutlichen Worten daran erinnert, daß wir und sie uns eigentlich nicht wirklich voneinander unterscheiden.

Liebe Gemeinde,

am Ende seiner Predigt an die Christen in und um Ephesus erinnert Paulus sie und uns daran, daß Gott die guten Werke, in denen wir wandeln sollen, zuvor bereitet hat.

Dieses „Wandeln“ beinhaltet bei Paulus den ganzen Lebenswandel und meint, daß wir unser Leben in der gemeinschaftsstiftenden Kraft des Heiligen Geistes führen sollen. Die guten Werke, an die Paulus hier denkt, sind vor allem die, in denen wir einander helfen, voneinander lernen und miteinander feiern.

Gemeinschaft, liebe Geschwister, ist das, was Gott seit jeher innewohnt. Gott hat in sich selbst Gemeinschaft, der Vater mit dem Sohn mit dem Heiligen Geist. Daß der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen ist, bedeutet eben auch, daß er zur Gemeinschaft geschaffen ist, zum Miteinander-leben.

Und das gilt natürlich nicht nur für die Gemeinde, für uns hier untereinander. Nein, wie ein Stein, der ins Wasser geworfen wird, immer weitere Kreise zieht, so soll auch das Miteinander-leben der Christen weite Kreise ziehen, über die Gemeinde hinaus.

Aber der Mittelpunkt ist immer der Herr Jesus. Sein Leben ist der Stein, der in das Wasser geworfen wurde und von dem alle Kreise ausgehen. Darum kommen wir immer wieder zum Herrn Jesus, suchen seine Gemeinschaft, in der Stillen Zeit wie auch in der Gemeinde, im Gottesdienst. Nur in der Gemeinschaft mit Jesus bekommen wir das neue Leben als Geschenk der Gnade, nur in der Gemeinschaft mit Jesus bekommen wir die Kraft, dieses Geschenk nicht für uns zu behalten, sondern an andere weiterzugeben, das gute Werk, zu dem wir berufen sind.

Amen.

 

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