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Deutschlandradio Kultur leistet sich ein ausgewachsenes Evangelikalen-Bashing, nachdem man auch dort entdeckt hat, daß der schwarz-gelbe Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, der Katholik Christian Wulff, im Kuratorium von ProChrist sitzt.
Das Niveau des Interviews unterscheidet sich kaum von diversen Interviews, die "Politically Incorrect" & Co. mit Islamophoben geführt haben und als "Aufklärung über den Islam" ausgeben.
In dem Interview darf eine selbsternannte Expertin für den Evangelikalismus, die "Theologin und Journalistin" Kirsten Dietrich, voll feuriger Leidenschaft über die Evangelikalen herziehen - ohne dabei auch nur ansatzweise differenzieren zu müssen.
Zwar behauptet die von ihrer göttlichen Mission offensichtlich überzeugte Evangelikalophobe, "das ist dann in sich eine ganz unglaublich vielfältige und weit gefächerte Bewegung", führt dann aber fort, daß sich die Evangelikalen durch "eine möglichst wörtliche Interpretation der Bibel und ein deutlicher Abstand zu allem, was man als Wissenschaft bezeichnen könnte" auszekchnen. Ein Satz nach dem Motto "Darwins Evolutionslehre ist falsch und was in der Bibel steht gilt wörtlich" beschreibt Dietrich zufolge die evangelikale Bewegung, "eine Strömung, ein Christentum, die genau nach diesen Grundlagen die Bibel interpretiert und versucht, ihr Leben zu leben".
Zudem enthält der Artkkel auch Fehler - etwa dort, wo es um die "Fundamentals" und die Debatte um Darwins Evolutionslehre geht. Denn da waren die "Fundamentals" ganz und gar nicht auf einer Linie - schon gar nicht waren sie sich in ihrer Ablehnung einig.
Ebenso falsch ist die Behauptung, es gäbe in Deutschland - "die Zahlen sind wirklich sehr, sehr schwer zu bekommen" - schätzungsweise 1,5 Millionen Evangelikale, womit Dietrich wahrheitswidrig die Evangelikalen auf die Allianzevangelikalen - immer noch eine vielschichtige Bewegung - reduziert, aber die verschiedenen Neo-, Post- und Linksevangelikalen, Evangelikale mit Migrationshintergrund usw. usf. außer Acht läßt, ohne dies freilich auch nur in einem Nebensatz zu erwähnen.
Zuletzt sagt Dietrich, "diese Religionen haben irrationale Elemente, und vor allen Dingen vertreten sie eine Eigengesetzlichkeit, die sagt, letztendlich ist Gott die höchste Autorität, die wir haben. Dafür stehen diese Gruppen. Und dafür steht aber meines Erachtens nicht der Bundespräsident - der sollte dafür stehen, dass wir in einem Rechtsstaat leben und dass da die Autorität liegt". Dann hätte beispielsweise Dietrich Bonhoeffer niemals Bundespräsident werden können, hätte er das Nazi-Regime überlebt; denn auch dieser große Mann hat Gott als die höchste Autorität angesehen, die wir haben. Überhaupt waren im Widerstand gegen die Nazis viele fromme Männer, die in Gott die höchste Autorität erkannt haben - und sich trotzdem für alle Menschen eingesetzt haben. Viele von ihnen würden heute zu einer evangelikalen Bewegung gezählt werden, nicht wenige sogar zu den Allianzevangelikalen.
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