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Wulff und die Evangelikalophobie PDF Drucken E-Mail
Blog - Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Freitag, den 11. Juni 2010 um 07:54 Uhr

Derzeit wiederholt sich etwas, was wir erst vor kurzem hatten: Da wird eine religiöse Person in ein hohes politisches Amt gewählt, und schon wird sie auf das Übelste bepöbelt.

Vor ein paar Monaten traf es die CDU-Politikerin Aygül Özkan, die in Niedersachsen erste muslimische Ministerin eines Bundeslandes wurde. Damals pöbelten die üblichen Verdächtigen der Islamophobie: Politically Incorrect & Co.

Nun trifft es ironischerweise ausgerechnet den Mann, der Özkan zur ersten muslimischen Ministerin machte: Christian Wulff, den Kandidaten von CDU, CSU und FDP für das Amt des Bundespräsidenten. Der ist Katholik - und hat die eine oder andere eher lockere Verbindung zu Evangelikalen. Nun pöbeln die üblichen Verdächtigen der Evangelikalophobie, die sich auf exakt dem gleichen Niveau bewegen wie einst PI & Co.: "Mission Gottesreich", "Wissenrockt.de", "Esowatch" usw.

"Wissenrockt.de", das "Politically Incorrect für junge Humanisten und Humanistinnen" oder so ähnlich, rechnet Wulff dann auch gleich den Evangelikalen zu - nun ja. Und falls jemand noch nicht weiß, was Evangelikale glauben, "Wissenrockt.de" glaubt es zu wissen: "Sie halten die BIbel für das wahre und irrtumsfreie Zeugnis eines Gottes, Homosexuelle für umerziehbar und bekennen sich zum klaren Missionsauftrag gegenüber der gesamten Menschheit". Selbst Wikipedia, nicht gerade für eine pro-evangelikale Einstellung bekannt, weiß es besser. Nun ja, beim "PI für junge Humansten" weiß man wenig - hier bewegt man sich auf dem Gebiet, das Atheisten so gerne als "Glaube" bezeichnen: Abgeschalteter Verstand, weil denken zu schwierig ist. Das hat zwar mit dem christlichen Glauben nichts zu tun, aber immerhin erklärt es, warum man gläubigen Christen so gerne vorwirft, nicht zu denken: Man schließt von sich auf andere.

Was "Wissenrockt.de", "Missions Gottesreich", "Esowatch", in abgeschwächter Form auch die "taz" und andere sowohl über Wulff als auch über die Evangelikalen von sich geben, hat weder mit Christian Wulff allzu viel zu tun noch mit der einmal mehr als homogene Masse dargestellten evangelikalen Bewegung.

Es geht hier einzig um Stimmungsmache gegen evangelikale Christen - exakt auf dem Niveau, dessen sich in Bezug auf Muslime "Politically Incorrect"; die "Bürgerbwewegung Pax Europa", "Akte Islam" oder auch Geerd "Steuern für Kopftücher" Wilders befleißigen. Es ist nichts anderes als Volksverhetzung und bewegt sich manchmal nicht weit weg vom "Stürmer" und dessen Antisemitismus (aber ich nehme ohnehin an, daß die bei vielen Evangelikalen fehlende neo-antisemitische "Israelkritik" eine der Ursachen für die zunehmende Evangelikalophobie in unserem Land ist - mitgefangen, mitgehangen).

Wie dem auch sei: Könnte man den Bundespräsidenten direkt wählen, dann würde ich, obwohl - nein weil ich ein evangekaler Christ bin und mein Glaube auch meine politischen Gedanken und Übrzeugungen prägt und trägt, Joachim Gauck wählen. Das wäre derzeit die beste Person für die Aufgabe - Christian Wulff sicherlich nicht. Und daß er das nicht ist, hat nicht mit seinen Kontakten zum "Arbeitskreis Christlicher Publizisten", den ich selbst absolut nicht schätze, oder zu "ProChrist" zu tun (von deren leitenden Mitarbeiter sicherlich auch nicht wenige eher Gauck als Wulff wählen würden).

Interessant wäre jetzt eine Umfrage unter den rund 3-5 Millionen Evangelikalen in Deutschland, wer für welchen Kandidaten wäre. Nicht nur Gauck würde jede Menge Stimmen bekommen, sondern auch die Kandidatin der Linken. Die evangelikale Bewegung ist nun einmal vielgestaltig, auch wenn manche Menschen das aufgrund ihrer fundamentalistischen Überzeugungen nicht wahrhaben wollen.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 11. Juni 2010 um 11:24 Uhr
 

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