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Wäre die Welt ohne Religionen ein friedlicherer Ort, wo die Menschen vielleicht nicht ganz ohne Krieg und Gewalt, aber doch ein gutes Stück harmonischer zusammenleben?
So wird von atheistischer Seite oft angenommen, aber ich habe da meine Zweifel.
Die Zweifel beginnen schon bei einem Blick auf die Schimpansen, nach den Bonobos unsere nächsten noch lebenden Verwandten. Sie leben ohne Religion - aber nicht so friedlich, daß es bei ihnen keine Kriege geben würde. Tatsächlich führen Schimpansengruppen Kriege gegeneinander - bis hin zum Völkermord.
Und ja, Religionen haben ihren Teil zu Kriegen beigetragen - im Schrecklichen wie im Guten, also im Bereich der Pflege der Verwundeten und in der Sorge für die Kriegsgefangenen.
Wie dem auch sei, die meisten Kriege wurden und werden nicht aus religiösen Gründen geführt. Oft genug haben atheistische Manchthaber und solche, die die so leben, als gäbe es keinen Gott - also "praktische Atheisten" - freilich die Religion instrumentalisiert, um ihre ureigensten Ziele zu verfolgen, die mit Religion nicht das Geringste zu tun hatten.
Ohne die Religion würde es auch Kriege gegeben haben und würde es sie auch weiterhin geben. Die Kriege würden anders begründet, anders geführt. Aber sie würden geführt werden. Wir mögen zwar Homo sapiens sapiens heißen, sind aber auch nur Menschenaffen und unterscheiden uns nicht wirklich von den Schimpansen.
Der Pazifismus des Westens freilich ist ein Produkt unserer judäo-christlichen Kultur. Treibende Kräfte waren und sind die Christen, wobei sie oft genug in anderen Christen ihre schärfsten Gegner gefunden haben. Der christliche Pazifismus mußte den Frieden nicht nur gegen Atheisten erkämpfen, sondern eher noch gegen "Glaubensgeschwister". Es wäre aber falsch, den Pazifismus als eine "atheistische" Errungenschaft einzuordnen (ohne damit den Einsatz atheistischer Pazifisten in Abrede stellen zu wollen).
Egal ob nun ohne Religion oder ohne Atheismus - Kriege würde es immer gegeben haben, Kriege wird es immer geben. Das beginnt schon in kleinen Gruppen, wo man einander bekämpft - und endet halt dort, wo Völker und Nationen gegeneinander marschieren.
Manchmal erweist sich die Religion dabei als Kriegstreiberin, manchmal als Pazifistin. Oft geht die Trennlinie mitten durch Religionen, Konfessionen, Gemeinden hindurch, wo die eine Hälfte Kriege befürwortet und die andere sich für den Frieden einsetzt.
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