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"So wahr mir Gott helfe" - mit diesen Worten schloß Aygül Ökzan ihre Vereidigung im niedersächsischen Landtag ab. Nach ihrer Vereidigung erklärte sie, sie habe sich als gläubige Muslima "auf den einen und einzigen Gott, der den drei monotheistischen Religionen - dem Judentum, dem Christentum und dem Islam - gemeinsam ist", berufen.
Zuerst einmal möchte ich klarstellen, daß der Gott, an den wir Christen glauben, ganz sicher nicht seine Ohren zuhält, wenn eine gläubige Muslima ihn um seine Hilfe bittet, egal ob sie nun glaubt, daß Jesus der Sohn Gottes oder daß 'Isa al-Masih ein Prophet Gottes sei.
Im Übrigen haben die Kirchen mehrheitlich lange genug verkündet, daß wir doch alle an den einen Gott glauben - selbst der entsprechende Passus in der "Charta Oecumenica" liest sich exakt so, auch wenn er den Verfassern zufolge anders gemeint sein soll: "Der Glaube an den einen Gott" (Artikel 11 - laut Auskunft der Verfasser soll dies bedeuten, daß beide Religionen monotheistische Religionen seien, nicht aber, daß sie an denselben Gott glauben).
Zuletzt sei darauf hingewiesen, daß die Frage, ob Christen und Muslime nun an den einen Gott glauben, weder mit einem eindeutigen "Ja" noch mit einem eindeutigen "Nein" beantwortet werden kann. Diese Frage ist überaus kompliziert.
Wie dem auch sei, Frau Özkans Äußerung, "der eine und einzige Gott (... ist) den drei monotheistischen Religionen - dem Judentum, dem Christentum und dem Islam - gemeinam", ist höchst problematisch.
Das beginnt mit der Formulierung, "der eine und einzige Gott", der auf dem islamischen Tawhid-Gedanken basiert. Leider ist nicht bekannt, wie Frau Ökzan als gläubige Muslima über dieses theologische Konzept denkt - ob sie etwa annimmt, daß der Islam die ursprüngliche Religion Gottes sei, die von Juden und Christen verfälscht und von Muhammad wiederhergerstellt worden sei.
In diesem Fall wäre Frau Ökzans Behauptung eine Wiederholung der jahrhundertealten muslimischen Polemik gegen Juden und Christen, sie hätten den Monotheismus, den wahren Gottesglauben verfälscht.
Hier kann nur Frau Ökzan Aufschluß geben, wie sie diese Formulierung gemeint hat - gerade vor dem Hintergrund des islamischen Tawhid-Konzeptes und der islamischen Lehre von der Verfälschung des "ursprünglichen" Monotheismus durch die Juden und Christen.
Als nächstes muß man als Christ einfach festhalten, daß zwar alle drei Religionen glauben, daß es nur einen Gott gibt, daß sie also jeweils monotheistisch sind, in ihrem jeweiligen Gottesbild aber höchst unterschiedlich verfaßt sind und nicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen sind.
Für Christen ist Gott der dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Jesus ist die Menschwerdung Gottes und nicht nur ein Prophet unter vielen anderen.
An dieser Stelle muß man natürlich auch daran erinnern, daß die "Verfasser" der Eidesformel "so wahr mir Gott helfe" ausschließlich den dreieinigen Gott im Blick hatten. Niemand hat seinerzeit über den trinitarischen Tellerrand hinausgeschaut.
Mittlerweile leben wir aber in einer pluralistischen, multikulturellen Gesellschaft, in der wir Christen Gott nicht für uns allein beanspruchen können. Wir können es einer Muslima wie Aygül Özkan nicht verbieten, sich auf Gott zu beziehen. Der Staat kann niemandem das Gottesbild vorschreiben oder etwa das christliche Gottesbild für verbindlich erklären.
Somit wäre es heute wohl angebracht, wenn man die religiöse Eidesformel zukünftig etwas differenzierter verwendet. Ein Christ könnte etwa formulieren:
- "So wahr mit der dreieinige Gott helfe"
- "So wahr mit Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist helfen"
- "So wahr mit der Gott und Vater Jesu Christi helfe"
Ein Muslim könnte dagegen formulieren:
- "So wahr mit der eine und einzige Gott helfe"
Eine andere Möglichkeit bestünde darin, sich im öffentlichen Raum auf neutrale Eidesformeln zu beschränken.
Das entspräche wohl am Ehesten den verfassungsrechtlichen Grundzügen, wie man etwa am "Kruzifixurteil" von 1995 ablesen kann.
Es stünde dann etwa jedem christlichen Politiker frei, sich nach der Vereidigung im Rahmen eines christlichen Gottesdienstes unter den Segen Gottes zu stellen und seine Hilfe zu erbitten.
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