Startseite Blog Christentum Gedanken zu Kopftuch und Schleier im Christentum

Ähnliche Inhalte

Social Bookmarks

Add to: Mr. Wong Add to: Webnews Add to: Icio Add to: Oneview Add to:  FAV!T Social Bookmarking Add to: Favoriten.de Add to: Seekxl Add to: Social Bookmark Portal Add to: BoniTrust Add to: Power-Oldie Add to: Bookmarks.cc Add to: Newskick Add to: Newsider Add to: Linksilo Add to: Readster Add to: Yigg Add to: Linkarena Add to: Simpy Add to: Netvouz Add to: Folkd Add to: Spurl Add to: Google Add to: Blinklist Information
Social Bookmarking
572318
Gedanken zu Kopftuch und Schleier im Christentum PDF Drucken E-Mail
Blog - Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Montag, den 26. April 2010 um 09:20 Uhr

In den letzten Tagen habe ich viel über das Thema "Kopftuch und Schleier im Christentum" nachgedacht. Ich habe dazu auch fünf Beiträge zu Blog gebracht - aber da ich im Laufe des Nachdenkens zu teilweise ganz neuen Ergebnissen gekommen bin, habe ich diese Einträge gelöscht (ich weiß, nicht die feine Art in der Blogosphäre) und setze hier und heute neu an, meine Gedanken zu Blog zu bringen.

Im Mittelpunkt steht die Frage: Sollten christliche Frauen nun ein Kopftuch oder sogar einen Schleier tragen oder nicht? Wie sollen sie sich kleiden?

Die Bibel und der Schleier

Als evangelikaler Christ gilt mein erster Augenmerk natürlich der Bibel.

Expressis verbis werden Kopftuch und Schleier dort nicht sehr häufig erwähnt, und die wenigen Bibelstellen sind dann höchst unterschiedlichen Inhalts. Nur eine von ihnen (zugleich die bekannteste) könnte als ein Gebot verstanden werden. Dies ist 1. Korinther 11, die einzige Erwähnung eines Schleiers im Neuen Testament. Und von allen Bibelstellen zu Kopftuch und Schleier wohl zugleich diejenige, die am schwersten auszulegen ist. Es ist nicht einmal klar, ob Paulus nun für oder gegen den Schleier ist. Es ist nicht klar, um was für eine Art von Schleier es sich handelt und um welche Situationen es in dieser Bibelstelle eigentlich geht.

Dennoch wird man davon ausgehen müssen, daß praktisch jede in der BIbel vorkommende Frau des Glaubens ein Kopftuch oder eher einen Schleier getragen hat. Keine der Frauen der Bibel lief in der Öffentlichkeit "oben ohne" herum - obwohl sich in der Bibel an keiner Stelle auch nur der Schatten eines Gebotes findet, nach dem sich die Mädchen und Frauen zu verschleiern hätten.

Es ist meine theologische Überzeugung, daß die Frauen der Bibel den Schleier aus einem einzigen Grund getragen haben: Es entsprach je und je den Kulturen, in denen sie lebten. Die jüdischen Frauen des Ersten Bundes trugen den Schleier, weil das in den orientalischen Kulturen so üblich war. Die jüdisch-christlichen und heidenchristlichen Frauen des Zweiten Bundes trugen den Schleier, weil es in ihrer jüdisch-orientalischen bzw. griechisch-römischen Kultur so üblich war. Hätten diese Kulturen den Schleier jeweils nicht gekannt, da bin ich mir sicher, so hätten die Frauen der Bibel auch keinen Schleier getragen.

Von daher können wir aus dem, was die Bibel zum Schleier sagt und mehr noch aus dem, was sie nicht sagt, zu einem ganz klaren Ergebnis kommen:

Frauen und ebenso auch Männer sollten sich so kleiden, wie es ihrer jeweiligen (Sub-) Kultur entspricht - nicht, wie man glaubt, daß es einem biblischen und/oder christlichen Gebot entspricht.

Von daher ist also alles möglich, vom modernen Minirock des Westens bis hin zur Komplettverschleierung in islamischen Ländern.

Auch das, was derzeit "in" ist, ist durchaus erlaubt: Enge Leggings mit eher kurz gehaltenen Oberteilen, viel Make-up, aufwendige Frisuren, auffälliger Schmuck, hohe Absätze.

Die Frauen haben die völlige Freiheit (1. Korinther 6,12), sich für jede kulturell denkbare Kleidung zu entscheiden - sie sollen nur darauf achten:
  • ihre Freiheit nicht zu verlieren (V. 12)
  • sich vor der Unzucht zu hüten (V. 18)
  • dem Herrn Ehre an ihrem Leib zu erweisen (V. 20)
  • nicht über den Kopf ihres Mannes hinweg entscheiden (7,4)
  • auf die Rücksicht nehmen, die im Glauben schwach sind (8,9ff)
  • bereit sein, Verzicht zu üben (9,1ff)
  • sich zur "Sklavin" aller zu machen, um möglichst viele für Christus zu gewinnen (Vv. 19ff)
  • ihr Verlangen nicht auf das Böse zu richten und ihren Gelüsten zu folgen (10,6)
  • darauf achten, was die Gemeinde fördert (V. 23)
  • an andere zu denken (V. 24),
  • alles zur Ehre Gottes zu tun (V. 31)
  • für niemanden ein Glaubenshindernis zu sein (V. 32)
  • in allem Rücksicht auf alle zu nehmen, nicht den eigenen Vorteil zu suchen, sondern den aller anderen, damit sie gerettet werden (V. 33).

Das alles gilt natürlich nicht nur für Frauen, sondern analog dazu ebenso für Männer. Es sind generelle Regeln für alle Christen in allen Situationen. Mehr "Ethik" brauchen Christen eigentlich nicht.

Die "Heiligen" und die "gottlosen Heiden"

Was es jedenfalls nicht braucht, ist irgend eine Art der Kleidung, mit der sich die "Heiligen" von den "gottlosen Heiden" unterscheiden, vor ihnen schützen, ihren Glauben demonstrieren oder was sonst. Der ganze Bereich "ethischer Gebote" eben, indem wir Christen die "Guten" sind und die Nichtchristen die "Bösen" (Stichwort "Dualismus").

Christlicher Glaube kennt wohl so etwas wie die Sünde, aber dieser Begriff wird niemals als eine moralische Kategorie verwendet. Und er wird niemals verwendet, um zwischen den "Gläubigen" und den "Ungläubigen" zu unterscheiden.

Die Welt braucht keine moralinsauren Apostel, die etwa durch Kopftuch oder Schleier zeigen, daß diese Welt ein verkommener Ort ist, an dem die Frauen sich durch ihre Kleidung vor den "Heiden" schützen und ihre moralische Überlegenheit zur Schau stellen müssen.

Ganz im Gegenteil: Wenn Christinnen einen Grund hätten, sich mit einem Schleier zu schützen, dann nicht vor den Angriffen "gottloser Heiden", sondern vor den "Gottessöhnen", den "Kindern des Lichts", den "Heiligen" (ich habe in 1. Mose 6 mit den "Gottessöhnen" und den "Menschentöchtern" immer schon bittere Ironie gesehen, beißenden Spott - keine Geschichte über sexuelle Kontakte zwischen Engeln und Frauen, sondern eine bitter-ironische Abrechnung mit sich heilig dünkenden Monstern und zu Sexobjekten degradierten Opfern).

Auch wenn wir Christen das oft nicht wahrhaben wollen: Wir sind ausgemachte Sünder. Ich bin überzeugt, daß es in den christlichen Gemeinschaften mehr sexuelle Sünden gibt, als es Stoff gäbe, mit denen sich christliche Frauen die zu ihrem Schutz nötigen Schleier nähen könnten. Und mehr als "draußen".

Die christliche Kirche mag die Gemeinschaft der Heiligen sein, aber sie ist ebenso eine "Huren, Zöllner & Sünder GmbH" (warum das so ist, ist ein anderes Thema).

Dabei gilt meiner Überzeugung nach: Je frömmer eine christliche Gemeinschaft ist, um so mehr ist die eine Gemeinde der "Sünder". Wenn sich Frauen irgendwo vor sexuellen "Sünden" schützen müssen (denen der Männer und freilich auch ihren eigenen), dann in der Kirche (und vielleicht mußten sich die Frauen in Korinth deswegen beim gottesdienstlichen Beten und prophetisch Reden mit Schleiern vor den (B)engeln und ihren sexuellen Begierden schützen). Hinzu kommt, daß in der Kirche all die Sünden weit mehr unter den Tisch gekehrt werden als "draußen".

Es mag ja sein, daß unsere Gesellschaft sexuell immer freizügiger wird, die Sitten immer "lockerer" - für Christen kann das kein Grund sein, deswegen mit dem Schleier protestieren und eine "christliche Gegenkultur" etablieren zu wollen. Wir haben auch keinen Grund, auf die "Heiden" herabzuschauen.

Also bleibt es dabei: Christen dürfen sich, egal ob Frauen oder Männer, so kleiden, wie es ihrer jeweiligen Kultur (und damit ist keinesfalls eine institutionalisierte "christliche" Subkultur gemeint) entspricht und müssen keine in Moralinsäure gegerbten Kutten tragen.

Sie haben natürlich die Freiheit, einen Schleier zu tragen, sollten sich aber fragen, ob es nützlich ist - vor allem, weil es in unserer Kultur äußerst mißverständlich ist und auch in der Begegnung mit Muslimen leicht zu erheblichen Mißverständnissen führen kann, wenn Christinnen sich wie Muslimas kleiden.

Zwar sieht der Koran den Schleier nicht allein als Zeichen für muslimische Frauen vor, sondern allgemein für "ehrbare Frauen", aber viele Muslime sehen den Schleier dann doch eher als etwas Islamisches und als muslimisches "Markenzeichen".

Die Entscheidung, ob eine Christin, die in christlich-islamischer Konvivenz lebt, in diesem besonderen Umfeld ein Kopftuch oder einen Schleier trägt, um den "Muslimas wie eine Muslima zu sein" und ihren muslimischen Nachbarinnen auf Augenhöhe zu begegnen, muß immer als Einzelfallentscheidung getroffen werden, eine generelle Empfehlung kann nicht gegeben werden.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 27. April 2010 um 15:29 Uhr
 

Kommentare  

 
# gedanken zu kopftuch und schleier in der bibelGast 2010-07-08 21:07
Ich denke, die Ansicht ist wieder sehr "erklärend". So lesen viele die Bibel: 1.Text,2.Hintergrd kennen, 3.Auslegen, 4.Verstehen, 5.Erklären, Interpretieren, 6.Umsetzen... nicht wirklich! Hat sich ja bereits im Analysieren ergeben. Vor ca. 100 Jahren hat es das nicht gegeben, eine Frau ohne Kopfbedeckg. in der Kirche. Also erst in jüngster Zeit finden wir diese Revolution (Rebellion), die die Kopfb. ablehnt. Oder Haare jungenhaft kurz schneidet. Gott aber hat etwas gesagt - 1.Kor. 11. Ich benutze sehr gerne meinen Verstand, aber die Gefahr ist, das schlichte Wort zu verlassen. Und wenn Gott sagt "wegen der Engel", dann ist´s nicht wegen der Läuse. "Das Haupt (Ehemann) zu ehren" dann ist es nicht die Kultur. Wenn er sagt, es sollte so sein, dann fehlt es uns nicht an Fortschritt. Uns (Frauen) fehlt es an Mut, es einfach zu tun. "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" (NT) Es gibt so hübsche Tücher, die man auch "unmuslumisch" binden kann, so nette Mützen oder oder. Modische!!
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
 
 
# HerryGast 2011-04-28 14:57
Dem Herrn die Ehre!!!!
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren
 

Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie die Verhaltensregeln und die allgemeinen Nutzungsbedingungen, die im Impressum niedergelegt sind.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß Ihr Kommentar erst vom Webmaster freigeschaltet werden muß, um unerwünschte Werbung zu verhindern. Die Freischaltung erfolgt so schnell wie möglich.

Sicherheitscode
Aktualisieren

InfoAdministrationXML Sitemap