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Evolutionäre vs. religiöse Ethik PDF Drucken E-Mail
Blog - Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Donnerstag, den 15. April 2010 um 12:54 Uhr

Es ist ja mitnichten so, daß areligiöse Menschen im Allgemeinen oder Atheisten im Besonderen keine Ethik hätten. Sie haben eine Ethik, und ich denke, diese ist ein Ergebnis der Evolution. "Zufällige" Veränderungen (Mutationen, Selektionen) nicht erst beim Menschen haben dazu geführt, daß ein gewisses moralisches Verhalten besser angepaßt war und das Überleben der so genetisch Ausgestatteten gesichert hat. Wir können also von einer "evolutionären Ethik" sprechen.

Diese hat freilich, das ist ganz klar, keinen Menschen hervorgebracht wäre, der ganz und gar gut wäre, vollkommen moralisch. "Star Trek" malt uns eine zukünftige Evolution der Ethik vor Augen, in der wir alle strahlende Sternenhelden sind - eine optimistische, aber wenig wahrscheinliche Sicht auf die Zukunft der Menschheit.

Eines ist freilich gewiß: Auch ohne religiös begründete und verkündete Ethik können Menschen dank ihrer evolutionären Ethik moralisch leben und sind nicht zur Amoral verdammt. Christen haben keinen Grund zu glauben, daß allein wir die Guten wären - oftmals beschämt uns die Moral der Nichtchristen. Als Christen glauben wir an einen Gott, der auch in dieser evolutionären Ethik seine Finger im "Spiel" hat; letztlich geht sie, wie alle evolutionäre Schöpfung, auf Gott zurück. Er hat sie wohl "eingebaut", um der Herzenshärte der Menschen zu begegnen.

Trotz einer evolutionären Ethik hat natürlich auch eine darüber hinausgehende religiös begründete und verkündete Ethik ihren Platz im Leben der Menschen. Weit mehr als die evolutionäre Ethik erlaubt sie es uns, unser moralisches Verhalten zu reflektieren.

Wie alles in der Efvolution des Lebens, hat auch die Evolution der Ethik eine schwerwiegende Schwäche: Sie ist niemals perfekt an die jeweilige Situation angepaßt. Evolution hinkt immer hinterher. Ändert sich das Umfeld, in dem Menschen leben, so dauert es eine Weile, bis das Spiel jener statistischen Wahrscheinlichkeiten, die wir "Zufall" nenne, durch Mutation und Selektion uns an dieses veränderte Umfeld angepaßt hat - nur mittlerweile ist die Veränderung längst weiter fortgeschritten.Die evolutionäre Ethik der Menschen im Westen ist mittlerweile halbwegs in der Moderne angekommen, der Mensch aber eilt schon durch die Postmoderne - und ist in moralischer Hinsicht mehr als nur irritiert, um nicht zu sagen: Verloren.

Religiös verankerte Ethik kann demgegenüber viel flexibler, anpassungsfähiger sein. Sie ist damit die perfekte Ergänzung zur evolutionären Ethik - wenn sie denn nicht nur konservierte Asche ist, sondern lebendiges Feuer. 

Ethik, die unabhängig ist von der Evolution, erlaubt es den Menschen, sich schnell an veränderte Umstände anzupassen. Sie ist dabei natürlich nicht unfehlbar - und zum Glück haben wir die evolutionäre Ethik als "Airbag", der uns manchmal in moralischer Hinsicht das Leben rettet.

Ich bin dankbar für beide Formen der Ethik, für die evolutionäre Ethik ebenso wie für die, die sich aus der Auseinandersetzung mit dem Leben und der Person Jesu Christi ergibt und aus der Begegnung mit anderen Menschen, der Konvivenz, dem einander Helfen, dem voneinander Lernen und dem miteinander Feiern.

Jesus hat uns mit seinem Leben, aber auch in seinem Tod einen Weg für unsere persönliche Ethik aufgezeigt, der jeder evolutionären Ethik wohl immer fremd bleiben muß, weil sich der christliche Glaube und lebendige christliche Ethik nicht vererben können.

 

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