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In dem Beitrag eines Online-Magazins, das ich heute morgen in meinem Newsreader kurz überflogen habe, ging es um die Frage, woher denn die Moral, die Sünde und natürlich die Religion kommen.
Die Antwort ist ganz einfach: Von der Evolution. Ich habe den Artikel nicht gründlich genug gelesen, aber ich nehme an, zu diesem Ergebnis kam auch der Autor. immerhin wurde fleißig Richard Dawkins zitiert. Allerdings gebe ich meine Antwort "von der Evolution" aufgrund eigener Überzeugung - einer Überzeugung, die aus dem Glauben kommt.
Wenn es so etwas wie ein "Gotteszentrum" im Gehirn gibt oder ein "Transzendenz-Gen" in unserem Erbgut, dann läßt sich die Entstehung wohl mit der Evolutionstheorie erklären. Ebenso steht es um Zentren oder Gene für Moral, die Erkenntnis von Gut und Böse und die Sünde.
Und nein, das bedeutet nicht, daß damit die Existenz Gottes widerlegt wäre. Erstens bin ich überzeugt, daß Gott hinter der Evolution steht, zweitens bin ich überzeugt, daß er etwaige in uns vorhandenen Gene und Zentren benutzt, um sich uns etwa mitzuteilen. Wer glaubt, ein "Gotteszentrum" im Gehirn beweise die Nichtexistenz Gottes, der muß logischerweise auch glauben, das Sehzentrum beweise die Nichtexistenz einer sichtbaren Welt oder ein "Durstzentrum" die Nichtexistenz von Wasser. Nein, die Existenz etwaiger Gene oder Zentren beweist weder die Existenz noch die Nichtexistenz Gottes (auch wenn man sich fragen kann, ob es ein Bedürfnis für etwas geben kann, das nicht existiert - die Erfahrung verneint dies).
Ja, die Religion kommt aus der Evolution. Und möglicherweise hat Richard Dawkins wider Erwarten sogar recht, wenn er meint, die Religion sei die Folge eines evolutionär bedingten Bedürfnisses, Autoritätspersonen zu glauben. Tatsächlich neigen religiöse Personen eher dazu, Autoritätspersonen zu glauben als nicht religiöse Personen (was diese zugleich in gewissen Staatsformen eher dazu bringt, ihre areligiösen Gene nicht weitergeben zu können, weil sie vorher aus dem Genpool entfernt werden).
Persönlich bin ich nun aber der Überzeugung, daß das Christentum, wenn es richtig verstanden wird, keine Religion ist. Wirklich gläubige Christen sind weder religiös noch autoritätshörig - gerade die Bibel ist in beiden Testamenten voll von Berichten über Leute, die alles andere als autoritätshörig sind (was ebenfalls dazu führt, daß diese Form des Glaubens sich oft nicht vererbt, aber das ist ohnehin eine theologische Wahrheit). Und die Bibel zeigt auch, wie wenig Gott eigentlich von "Religion" hält, von Opfern, vom Buchstabenglauben, von Gesetzlichkeit, von Frömmlerei, von der Verehrung religiöser Idole.
Der alte Spruch, das Christentum sei keine Religion, hat schon etwas Wahres. Vielleicht ist Religion, wenn sie sich etwa autoritätshörig zeigt, sogar der natürliche Feind echten Christentums (wie auch echten Judentums). "Evolutionäre Religion" versucht immer wieder, den wahrhaft christlichen Glauben zur Sünde zu verführen, etwa zur Hörigkeit gewissen Autoritäten gegenüber, zur "Integration". Wahrer Glaube dagegen sagt: "Ich gebe dem Kaiser, was des Kaisers ist, doch Gott, was Gottes ist".
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