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Nach diversen Angriffen auf die ach so bösen Evangelikalen und die schrecklichen Missionare scheinen jetzt die Freikirchen im Fadenkreuz unserer öffentlich-rechtlichen Medien zu sein, um öffentlich hingerichtet zu werden.
Das ZDF-Magazin "Frontal 21" - je, genau die - hat vorgestern einen Beitrag über die "Heilungsversprechungen von 'Wort und Geist'" veröffentlicht. In der Ankündigung dazu heißt es auf der Home Page frontal21.zdf.de (dort kann man sich auch das Video ansehen und ein Manuskript des Beitrags herunterladen):
"Auch wenn die großen Kirchen Mitglieder verlieren - christliche Freikirchen sind im Aufschwung. Ihr Angebot: Das Evangelium ohne Kompromisse - sie nehmen die Bibel wortwörtlich - Wunder inklusive. 'Wort und Geist' ist so eine neureligiöse Glaubensgemeinschaft. Vor zehn Jahren gegründet. In legeren Gottesdiensten nach amerikanischem Vorbild sollen - etwa durch Handauflegen - auch schwere Krankheiten geheilt werden."
Wow.
Noch schöner ließt sich das Manuskript:
"Jesus hat Zulauf. Auch wenn die großen Kirchen Mitglieder verlieren - christliche Freikirchen sind im Aufschwung. Ihr Angebot: Das Evangelium ohne Kompromisse - sie nehmen die Bibel wortwörtlich - Wunder inklusive. 'Wort und Geist' ist so eine neureligiöse Glaubens-Gemeinschaft. Vor zehn Jahren gegründet. In legeren Gottesdiensten nach amerikanischem Vorbild sollen - etwa durch Handauflegen - auch schwere Krankheiten geheilt werden. Der Glaube macht´s, heißt es. Aberder kann richtig gefährlich werden, wie Rainer Fromm zeigt."
Schon die ersten drei Worte sind in diesem Zusammenhang geradezu unerträglich und zeigen auf, worum es den Frontalisten wohl wirklich geht.
Und dann noch die Abmoderation: "Den evangelischen Freikirchen in Deutschland gehören insgesamt rund 330.000 Gläubige an."
Leider wird nicht klar (und soll vielleicht auch nicht klar werden), welche Freikirchen gemeint sind und woher die von "Frontal 21" genannte Zahl kommt. Die 14 Mitgliedskirchen der Vereinigung Evangelischer Freikirchen etwa haben rund 275.000 Mitglieder (und darüber hinaus sehr viele Personen, die ohne Mitgliedschaft dazugehören).
Eine Bewegung wie die neocharismatische "Wort+Geist"-Bewegung (nicht zu verwechseln mit der Kirchen-Zeitschrift "Wort und Geist" des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden) jedenfalls ist nicht typisch für die Freikirchen in Deutschland, schon gar nicht für diejenigen, die zur VEF gehören (wie z.B. Baptisten, Methodisten, Pfingstler, Heilsarmee usw.).
Die Evangelisch-methodistische Bischöfin Rosemarie Wenner betont zu Recht, daß die Mitgliedskirchen der VEF, deren Vorsitzende sie ist, sich um "saubere biblische Theologie" bemühen und daß dies bei "Wort+Geist" nicht der Fall sei.
Es ist davon auszugehen, daß sich die Macher dieses Beitrags in "Frontal 21" vorher mit der vielfältigen kirchlichen Kritik an "Wort+Geist" auseinandergesetzt haben - schon eine einfache Google-Recherche zeigt auf, daß viele Theologen und Weltanschauungsexperten "Wort+Geist" kritisieren - auch solche aus den Freikirchen. Allerdings scheint im Beitrag kein freikirchlicher Experte zu Wort zu kommen - doch ist "der evangelikale Pastor Rolf Wiesenhütter", der seine Kritik äußern darf, nach meinen Recherchen ein freikirchlicher Theologe und Weltanschauungsexperte (und zudem wohl einer der entschiedensten Kritiker von "Wort+Geist"), was "Frontal 21" allerdings verschweigt - in einem Bericht über die angebliche Freikirche "Wort+Geist" mehr als verwunderlich, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Versehen und damit wohl der Versuch, alles zu vermeiden, was die Freikirchen "entlasten" könnte.
"Wort+Geist" - eine aus meiner Sicht mehr als kritikwürdige Bewegung, die ich persönlich nicht unter "Freikirchen" einordne, sondern unter "christliche Sondergemeinschaften" und damit außerhalb des Rahmens christlicher Kirchen und Gemeinschaften - scheint für "Frontal 21" vor allem ein Aufhänger für eine Kampagne gegen evangelische Freikirchen zu sein. Man wird abwarten müssen, was von "Frontal 21" (und dann vielleicht auch von "Panorama"?) noch kommt.
Allerdings denke ich nicht, daß es "Frontal 21" tatsächlich nur um die Freikirchen geht. Die Anmoderation "Jesus hat Zulauf" dieses Beitrags zeigt m.E. deutlich, daß es überhaupt um die "Jesus-Leute" geht, um die Frommen. Die Freikirchler sind neben den Evangelikalen und den Missionaren nur ein Hügel, der genommen werden muß, der "Free Church Hill", nur Etappen einer Schlacht, die gewonnen werden muß. Es geht hier wohl um weit mehr als um Evangelikale, Missionare, Freikirchler.
Aber bleiben wir noch ein wenig bei den Freikirchen und was "Frontal 21" über sie zu sagen hat: "Ihr Angebot: Das Evangelium ohne Kompromisse - sie nehmen die Bibel wortwörtlich - Wunder inklusive".
Evangelium ohne Kompromisse? Die Metropolitan Community Church wird's freuen, trotz all der evangelikalen Kritik an ihr als Freikirche mit dem Etikett "Evangelium ohne Kompromisse" versehen zu werden. Spaß beiseite: Evangelium ohne Kompromisse ist das erklärte Ziel aller christlichen Kirchen. "Evangelium" heißt "Gute Nachricht". Bei "Frontal 21" scheint man eher von einer Droh- denn einer Frohbotschaft auszugehen. Was wäre denn eine Frohbotschaft mit Kompromissen? "Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein!" wäre wohl ein kompromißbereites Evangelium. Vielleicht sollten die Frontalisten noch einmmal die Bergpredigt lesen und sich fragen, ob man da wirklich irgend welche Kompromisse eingehen will.
Die Bibel wortwörtlich? Nun ja, es gibt evangelische Freikirchen, in denen die Bibel wortwörtlich verstanden wird - dort reist der Pastor dann wohl einmal pro Jahr im Sommer nach Troas, um den Mantel des Paulus zu holen. Wie sagte Bischöfin Wenner: Um eine "saubere biblische Theologie" bemühen sich alle Mitgliedskirchen der VEF. Dort nimmt man die Bibel ernst, versteht sie nicht wortwörtlich (Ausnahmen bestätigen die Regel).
Wunder inklusive? Dazu zitiere ich einmal den Evangelischen Erwachsenen-Katechismus, herausgegeben im Auftrag der Katechismuskommission der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (5. Auflage 1989, zufälligerweise dem Jahr des Wunders der innerdeutschen Grenzöffnung):
"Was eine menschliche Begegnung für mich bedeutet, das kann mir kein Naturwissenschaftler beweisen, das kann ich nur selber sagen. Ebenso ist es beim Wunder: Es kann unter der wissenschaftlichen Betrachtungsweise durchaus ein natürliches Geschehen sein und dennoch für den Glaubenden eine Bedeutung haben, die ihn für Gottes wunderbare Führung und Hilfe danken läßt... Der Glaubende erwartet, daß auch er die Erfahrungen mit Gott machen kann, die sich in den Wundergeschichten niedergeschlagen haben" (S. 391).
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