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Amerikanische Evangelikale? PDF Drucken E-Mail
Blog - Christentum
Geschrieben von: Michael Molthagen   
Montag, den 01. August 2011 um 09:38 Uhr

In den Medien begegnen einem in letzter Zeit immer häufiger die "amerikanischen Evangelikalen", die "US-Evangelikalen", die "amerikanischen Freikirchen" - wer bitte schön soll das sein?

Bei "amerikanischen Evangelikalen" denke ich zuerst an  Jim Wallis (Wikipedia ordnet ihn als "Ökumenische Persönlichkeit" ein), Martin Luther King, Rick Warren, Shane Claiborne, Francis Collins, Robert Bakker, Randall Balmer...

Auch US-Präsident Barack Obama ist sicherlich eher ein amerikanischer Evangelikaler als ein amerikanischer NIcht-Evangelikaler, Bill Clinton war es ebenso wie Jimmy Carter.

Marcia Pally, selbst keine Evangelikale, schätzt, daß es in den USA fast ebenso viele Linksevangelikale wie Vertreter der "Christlichen Rechten" gibt. Mehr als 100 amerikanische evangelikale Kirchenleiter, so berichtet sie in einem Artikel über die amerikanischen "Neuen Evangelikalen", haben 2008 ein Evangelikales Manifest unterzeichnet, in dem sie es beispierlsweise ablehnen, einer pluralistischen Gesellschaft ein "theokratisches Modell" aufzunötigen.

Auf jeden Fall: Den amerikanischen Evangelikalen gibt es nicht, er ist nur ein Hirngespinst. Es gibt in den USA Evangelikale auf Seiten der "Christlichen Linken" wie der "Christlichen Rechten", es gibt dort Evangelikale, die eher den Republikanern nahe stehen und solche, die eher den Demokraten zugeneigt sind.

Daß schländische Politiker, Journalisten, liberale Kirchenvertreter, fundamentalistische Atheisten und Kritiker der USA wie der Evangelikalen usw. im "amerikanischen Evangelikalen" nur einen monolithischen Block von den Republikanern nahestehenden Vertretern der "Religiösen Rechten" sehen wollen - zu der freilich nicht nur evangelikale Christen zählen -, ist entweder nur mit Dummheit zu erklären - oder mit einem Vorsatz namens "Feindbild".

Die amerikanischen Evangelikalen sind ebenso heterogen, wie es die deutschen Evangelikalen sind. Rechte und linke Evangelikale in den Vereinigten Staaten haben ihre Entsprechungen im deutschen Evangelikalismus.

Es gibt allerdings einen wichtigen Unterschied: Auch wenn die Linksevangelikalen in den USA bisher noch nicht so gut organisiert sind wie die evangelikalen Rechten des Landes, so sind sie doch weit besser organisiert als die deutschen Linksevangelikalen. Wer sich mit den Evangelikalen in den USA beschäftigt, kann die Linken unter ihnen gar nicht übersehen, wenn er es nicht vorsätzlich will, weil sie nicht in sein vom Feindbild "US-Evangelikale" Konzept passen.

Wer sich die Religionen in den USA anschaut, findet dort ebenso eine "Religiöse Rechte" wie auch eine "Religiöse Linke". Die evangelikalen Christen Amerikas teilen sich auf beide Lager auf - und ebenso die Nichtevangelikalen des Landes. Die politische Grenze zwischen dem rechten und dem linken Amerika verläuft nich entlang konfessioneller oder theologischer Grenzen.

Auch die amerikanischen Freikirchen wie die Baptisten, die Methodisten, die Pfingstkirchen usw. kann man nicht einfach der "Religiösen Rechten" des Landes zuordnen, nicht einmal die viel gescholtenen Baptisten im Süden der USA, die "Southern Baptists".

Wer sich mit dem hiesigen Meinungsbild über die amerikanischen Evangelikalen beschäftigt, findet oftmals ein Feindbild, das der Islamophgobie von Politically Incorrect & Co. erstaunlich ähnlich ist. Daß dieses Zerrbild auf die Wahrnehmung der deutschen Evangelikalen abfärbt, ist auch nicht zu übersehen.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 01. August 2011 um 09:44 Uhr
 

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