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Alle, die der Meinung sind, der selbst ernannte Kreuzritter von Oslo, Anders Behring Breivik, sei irre, geisteskrank oder wahnhaft, sollten sich einmal den Bestseller Irre! - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen - Eine heitere Seelenkunde von Manfred Lütz zu Gemüte führen.
"Mr. Politically Incorrect" - der berühmt-berüchtigte rechtspopulistische Blog ist damit höchstens mittelbar gemeint, mir geht es um die entsprechende Szene - ist vielleicht manisch, aber ansonsten wohl ein ganz normaler Mensch. Und genau das ist ja das Problem mit den "Normalen" - nur wir Normalen können wirklich "irre" werden. Nur wir Normalen bringen dafür die erforderlichen Stärken mit. Man muß ein ziemlichst normaler Mensch sein, ehe man ein Hitler, ein Stalin, ein Mao, ein bin Laden oder eben auch ein Breivik werden kann, ehe man so effektiv Terror verbreiten kann.
Breivik jedenfalls ist ein ganz normaler konservativer bzw. evangelikaler Christ, hat ganz normale Vorstellungen über das Freimaurertum, hat ganz normale Vorstellungen über den Islam, ist ein ganz normaler "Islamkritiker" und ein ganz normaler "Tempelritter" - nichts an dem Geiste des Mann ist wohl krank, allenfalls ist er, wie gesagt, manisch - wie viele ganz normale Menschen. Wie Du und ich.
Wenn ich Breivik als evangelikalen Christen betrachte - und ihn damit ganz bewußt in "meinen Haufen" eingliedere -, dann tue ich das weniger wegen einer etwaigen Zugehörigkeit Breiviks zu einer evangelikalen Gemeinschaft und auch nicht so sehr im Hinblick auf "typisch" evangelikale Positionen in Breiviks Äußerungen zum Christentum, sondern weil sein christlich-islamkritischer Glaube dem etlicher evangelikaler Christen in weiten Teilen entspricht, die sich wie Breivik als "christliche Islamkritiker" betätigen. Sie mögen sich an Breiviks "kulturellem Christentum" stören und mehr "persönlichen Glauben an Jesus" fordern, aber wo es um den Islam geht, da liegen die Positionen nicht in jedem Fall weit auseinander.
Es sei die Frage erlaubt, wie viel "kulturelles Christentum" man eigentlich in durchschnittlichen evangelikalen bzw. freikirchlichen Gemeinschaften findet - und ob nicht manches Mal hinter dem Etikett "evangelikal" christliche Vorstellungen zu finden sind, die eher der Kultur dienen als dem Herrn Jesus.
Ich hoffe, daß wir der Versuchung widerstehen, Breivik vorschnell einem anderen Lager zuordnen zu wollen, sondern ihn als eine Anfrage an unser Verhältnis zur Islamkritik, zum Islam verstehen, als eine Anfrage an unsere Angst vor den Muslimen.
Sollte Breivik tatsächlich Freimaurer sein - wofür vieles spricht - und einer Loge angehört haben, sollten evangelikale Christen auch daraus nicht vorschnell eine Art Verteidigung unserer Frömmigkeit basteln. Auch ohne allzu viel von den Freimaurern zu halten, denke ich, daß weniger eine etwaige Zugehörigkeit zu einer Freimaurerloge als viel mehr eine Zugehörigkeit zu einer Art christlichen Glaubens, wie er auch bei evangelikalen Christen typisch ist, das Fundament für Breiviks Radikalisierung und den Doppelanschlag gelegt hat.
Lassen wir also bitte die Frage zu, ob auch wir evangelikalen bzw. freikirchlichen Christen gefährdet sind, uns im Hinblick auf die "Herausforderung Islam" zu radikalisieren. Vielleicht ist die anstehende evangelikale Aktion "30 Tage Gebet für die islamische Welt" während des islamischen Fastenmonats Ramadan eine gute Gelegenheit, über unser Verhältnis zu den Muslimen nachzudenken - und Buße zu tun.
Lassen wir es nicht zu, daß wir in eine Verteidigungshaltung geraten, Breiviks Terroranschlag habe eher etwas mit Freimaurern, mit "Tempelrittern", mit konservativem Katholizismus als mit einem Glauben, den auch wir in verschiedenen Bereichen teilen.
Lassen wir es zu, in Breiviks Tat auch einen Bußruf Gottes, einen Umkehrruf Gottes zu sehen (was nicht bedeutet, daß Breivik eine Marionette und der Doppelanschlag eine "Nebenwirkung" des Gerichtshandelns Gottes gewesen wären), erlauben wir Gott, uns auf Herz und Nieren zu prüfen, ob etwas von einem Anders Behring Breivik nicht auch in uns steckt.
Wenn wir jetzt sofort auf die apologetische Ebene wechseln und mit dem Finger auf andere zeigen, dann läuft bei uns etwas schief. Hier hilft vielleicht die Weisheit weiter, daß, wenn wir mit einem Finger auf andere zeigen, drei Finger auf uns zeigen. Oder das Bibelwort vom Splitter im Auge des anderen - und dem Balken in unserem Auge.
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Kommentare
Nein, dem ist nicht so! Er hat in seinem Manifest selbst klar geschrieben, dass er sich nicht als einen solchen betrachtet.
Ich meine, dass es der kritischen Selbstreflexion nicht dienlich ist, wenn wir nun diesen Attentäter fast schon zwanghaft in unsere Reihen ziehen wollen.
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